Die Legende von Riven

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xKnusp3rx

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29-12-2012

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Herzlich Willkommen zu meiner Riven Saga hier im Fan Fiction Forum.
Die Legende von Riven erzählt ihren Lebensweg bis zur Akademie und der Liga der Legenden.
Kapitel 1 & 2 habe ich überarbeitet, d.h. es sollten nun keine Rechtschreibfehler mehr vorhanden sein.

Stark veränderte Abschnitte:
-Eintreffen der beiden Protagonisten in Jagneto
-Ende Kapitel 1

Außerdem hab ich hier und da teilweise die Dialoge umgeschrieben und ergänzt.

In diesem Thread - dem Ursprungsthread - schreibe ich die Geschichte weiter.

Und in diesem Thread hier poste ich meine Geschichte kapitelweise.
Viel Spaß beim Lesen.


Zur Orientierung:
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Kapitel 1 - Erkenntnis
- Part 1 - Aus Wunden werden Narben
- Part 2 - In Ketten
- Part 3 - Jagneto
- Part 4 - Schatten in der Nacht
Kapitel 2 - Abenteuer
- Part 1 - Auf hoher See
- Part 2 - Schwarze Flagge
- Part 3 - Eisiger Norden
Kapitel 3 -
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[Prolog]
Vor langer Zeit, als die Völker Runeterras, sich in einem schrecklichen Krieg befanden, erzählte man sich sagenhafte Geschichten von einer furchtlosen, ehrenvollen und mutigen Kämpferin namens Riven, die einer Akademie glorreicher Kämpfer und Magier angehörte, der Liga der Legenden. Riven wurde von ihren Kameraden verehrt, von ihren Feinden gefürchtet - sie war der Inbegriff der Kriegskunst, Soldat gegen Soldat. Eine lebende Legende. Doch der Lebensweg, der sie bis zur Liga geführt hatte, war voller Gefahren, Schmerz und Niederlagen, aber auch voller Erkenntnis, Freundschaft und Glück.
Eine fantastische Geschichte, die ich euch hiermit erzählen mag.


[Kapitel 1] Erkenntnis

Part 1 - Aus Wunden werden Narben

Ein seltsamer Geruch lag in der Luft. Er war weder vertrauenserweckend noch ermutigend. Weder roch er gut noch war er annähernd ertragbar. Er war einfach nur scheußlich, ein Geruch, den ein Mensch nie riechen sollte. Nicht nur der Geruch der Luft, auch das tränentreibende Kratzen in den Augen beim Blinzeln und der widerwärtige, faule Geschmack auf der Zunge beim Atmen raubten ihm jeglichen Verstand. Er atmete nicht wirklich, er rang um Luft, stolperte vor sich hin, betäubt und eingehüllt im Dunst der toxisch-zhaunischen Rauchschwaden.
„Du musst kriechen, am Boden ist es nicht so schlimm.“, war der einzige Gedanke, dem er gerade keine Achtung schenkte. Dabei wär dieser seine Rettung gewesen. Seine Beine, ja sein ganzer Körper und das Blut, das aus den vielen Wunden floss, schienen ihm nicht zu gehören, den staubigen Boden, über den er lief nicht, nicht zu existieren und die unzähligen Gedanken, die ihm durch den Kopf gingen, nicht seine eigenen. Obwohl seine Kräfte schwanden war er sich wohlauf bewusst wo und wieso er an diesem grausigen Ort war. Diese Schlacht, die ihr jähes Ende durch die zhaunische Unterstützung fand, war ein weiterer, wichtiger Schritt zur Befreiung von Runeterra von den aufständischen Ioniern. Plötzlich fragte er sich, ob diese „Unterstützung“ überhaupt nötig war.
Die ionischen Streitkräfte waren so gut wie von den noxischen Verbänden zerschlagen und vertrieben worden, als auf einmal die Erde bebte und die Luft zu vibrieren schien. Als er jubelnde Rufe vernahm: „Unterstützung!“ oder „Der Sieg ist unser!“ und „Vernichtet sie endgültig!“ und sein Kamerad ihm mit einem Lächeln auf die Schulter klopfte. Wohl kaum wären sie so froh gewesen, wenn sie gewusst hätten, dass sie mit großer Wahrscheinlichkeit in den nächsten darauffolgenden Minuten sterben würden. Einen Sekundenbruchteil später schlugen Bomben zwischen ihren Reihen ein, sein Kamerad wurde durch die Wucht eines Einschlags zu Boden gerissen. Er selbst rannte und das letzte, was er wahrnahm, war, dass der Himmel sich verdunkelte und die Luft ihren Geschmack veränderte.
Auf einmal blieb er stehen. „Du darfst nicht stehen bleiben!“ Ein weiterer Gedanke, dem er keine Achtung schenkte. Er atmete die klebrig-trockene Luft noch ein paar Mal mühsam ein und aus. Wenn er gewusst hätte, dass er hier auf diesem Schlachtfeld sein Leben aushaucht … Er blinzelte benommen und schaute sich langsam um. Alleine. Hätte ihm das Gas nicht die Tränendrüsen verätzt, dann würde er jetzt weinen wie ein kleiner Bengel, dem sein Holzschwert entzwei gebrochen ist. So fühlt es sich also an, dachte er sich. Wenn man nicht mehr die Absicht hat für das Leben zu kämpfen. Wenn man die Absicht hat sich einfach hinzulegen und zu sterben. Er seufzte. Dann kippte er lautlos nach vorne, doch schlug nicht wie erwartet mit dem Gesicht hart auf dem harten Boden auf, sondern wurde unbeholfen aufgefangen. „Geb nicht auf. Ich helfe dir, lass mich dir helfen. Nicht sterben! BITTE! Du …“

Dann wurde ihm schwarz vor Augen, er atmete erleichtert aus und sackte in sich zusammen. Auf seinem Gesicht zeichnete sich ein zufriedenes Lächeln ab - er war glücklich, endlich wurden ihm die qualvolle Last des Lebens abgenommen, zu der sie im Laufe dieses Vormittags zunehmend geworden war. Doch Hadon, Gott des Heldenmutes und Beschützer von Fortis, der Ort an dem die Seelen von tapferen Kriegern ihr Dasein fristeten, wollte ihn anscheinend noch nicht zu sich aufnehmen. Lethargisch wanderte die Seele zurück in den Körper seines Besitzers.

In der Zwischenzeit hatte sie den unbekannten Mann auf die Schulter gepackt. Unter Erschöpfung, Schmerzen, und der Gewissheit das ihre Freunde tot im Dreck des Schlachtfelds lagen, brachte sie ihn schließlich an einen nahe gelegenen Bach, der im Schatten eines kleinen, angrenzenden Waldstücks, lag. Behutsam ließ sie den Körper in das kühle Wasser gleiten, stellte sicher, dass er nicht fortgespült wurde und setzte sich an den Stamm eines großen Fächerbaum. Sie fragte sich plötzlich verwundert, wieso sie dem unbekannten Soldat geholfen hatte. Dort draußen auf dem Feld gab es bestimmt noch weitere Verwundete, die ihre Hilfe benötigten - doch mit Sicherheit konnte sie das nicht sagen. Die Zerstörungswut der zhaunisch-biologischen Bomben war verheerend. Auch ihre Einheit wurde innerhalb kürzester Zeit vernichtet, denn nichts war tödlicher als zhaunische Maschinen und Waffen, das wusste sie schon, bevor ... dem hier.
Vor Jahren war sie mit Swain, dem Oberkommandeur der noxischen Heere, und anderen hochrangigen Generäle wie Darius und General De Couteau auf eine Vorführung nach Zhaun gereist, um die neuesten Errungenschaften von Professor Stanwick, einem angesehenen Forscher, zu bewundern. Die meisten Kommandeure und Generäle bekundeten ihre Begeisterung und stellten Stanwick weitere finanzielle Hilfen in Sicht, doch sie selbst empfand diese Waffen als ehrlos. Sie verwickelte sich mit Darius in eine Diskussion. Er teilte insgeheim ihre Ansichten, aber er wagte es nicht diese vor Swain kundzutun, da dieser schließlich verkündete hatte, dass DAS die Zukunft der noxischen Kriegsführung sei. Sie erinnerte sich an das freudige Funkeln in Swains kalten, berechnenden Augen - schon allein der Gedanke daran ließ ihr einen Schauer über den Rücken laufen. Sie fürchtete sich vor diesem Mann. Er war ein Mensch der Tat, genau wie sie. Doch kannten er, ihm Gegensatz zu ihr selbst, keine Gnade und keine Rücksicht. Swain war bereit alles und jeden auf brutalste Weise aus dem Weg zu räumen, falls er so seinem Ziel näher kommen würde.
Und das hatte sie am eigenen Leib zu spüren bekommen.
Sie schaute an sich herunter: An ihrem Oberarm war eine große Schnittwunde, aus der stetig Blut tropfte, ihre Beine taten weh und ihr Kopf dröhnte.
Auf einmal wurde sie sich wieder ihrer Situation bewusst - sie war verletzt und auf sich allein gestellt, und das im Feindesland Ionien. Was für eine Misere. Das ganze hier; ihr ganzes Leben. Das Leben das sie bisher immer für Noxus gegeben hat. Von Kindheitstagen an, ist sie dem noxischem Ideal und Geist gefolgt: Alles was zählt ist Stärke. Sie hatte trainiert und gelitten, schloss sich der noxischen Armee bei um ihre Ideale zum Nutzen von Noxus ausleben zu können. Sie stieg in Rängen auf, wurde bewundert, wurde das Aushängeschild für den Esprit Noxus'. Sie hatte in diese Ideale vertraut, sie waren die Grundfeste ihres Lebens. Jetzt wurde diese Grundfeste eingerissen und ihr Leben schien zusammenzustürzen. Sie war verbittert und wütend. Ihr Blick streifte das Runenschwert, das ihr von Swain für ihre überragenden Leistungen im Dienste von Noxus überreicht worden war und welches sie immer bei sich trug. "Alles nur Lüge ...", flüsterte sie tonlos. Sie sprang auf, nahm das Schwert und schlug es mit aller Kraft, die sie aufbringen konnte, gegen Stamm eines Fächerbaums. Mit einem lauten Klirren und einem unheimlichen Zischen zersprang es ab der Hälfte der Klinge in viele, kleine Einzelteile. Achtlos ließ sie das Heft mit dem übrig geblieben Teil des Schwertes ins Gras fallen. Ihre Wut war vorrübergehend besänftigt.
Schließlich begab sie sich humpelnd an den Bach und stillte die Blutung am Arm mithilfe des eiskalten Wassers. Nebenbei warf sie einen sorgenvollen Blick auf den scheinbar leblosen Körper. Er war noch immer nicht aufgewacht, doch tat das Wasser auch seinen Wunden gut, das wusste sie.

Doch auf einmal bewegte sich der Körper langsam, ein schmerzvolles Stöhnen und leises Fluchen war zu hören.

Helles Sonnenlicht blendete ihn als er langsam seine Augen aufschlug. Dann bemerkte er mehrere Dinge gleichzeitig, er lag in einem kleinen Bach, war daher bis auf die Haut durchnässt, seine Glieder taten höllisch weh, er konnte wieder frische Luft atmen und die allerwichtigste Erkenntnis war, dass er anscheinend nicht tot war. Er konnte das nicht wirklich glauben - er hatte sich doch so sehr nach Fortis gesehnt. All seine Waffengefährten, seine 2 Brüder und sein Vater hätte er wieder getroffen, er wäre von der Last des Lebens entledigt gewesen und er hätte an der langen Göttertafel mit ihnen gespeist, getrunken und gelacht. Doch Hadon hatte wohl andere Pläne mit ihm ... Ungläubig schüttelte er den Kopf. Das rief ein grausiges Stechen im Nackenbereich hervor und er stöhnte schmerzvoll auf.
Er kam sich vor wie ein elender Krüppel und als er sich aus dem Bachbett heben wollte, stellte er panisch fest, dass ihm seine Arme versagten.
"Bei den Göttern, was habt ihr mit mir nur gemacht?", fluchte er leise. Eine helle, klare Frauenstimme antwortete: "Oh, das hab ich mich auch gefragt."
Die, zur Stimme dazugehörende, Person trat in sein Sichtfeld. Sie hatte schulterlange, schlotweiße Haare, die ihr markantes Gesicht und ihre zielgerichteten, hellbraunen Augen untermalten. Ihre vollen Lippen waren zusammengepresst, dann entspannten sie sich und der Mundwinkel fand seine ursprüngliche Position wieder - verbittert nach unten gerichtet. Außerdem sahen ihre Augenränder verdächtig verweint aus - es konnte aber auch eine Folge des toxischen Nebels gewesen sein. Wie auch immer, er gedachte nicht, diese Frage an sie zu richten.
"Geht es dir gut? Ich hätte dich fast übersehen, da draußen." Sie macht eine weitausholende Geste in Richtung des Schlachtfelds. "Der giftige Dunst hat mich blind und taub gemacht. Und als ich dich dann fand, sah es so aus, als wäre es zu spät ..." Er schüttelte langsam den Kopf. Es schmerzte nicht mehr so sehr und er flüsterte betrübt: "Leider nicht, nein." "Was? Wies ..." Er unterbrach sie schnell und erwiderte mit einer wegwerfenden Geste: "Vergesst es. Nun, ich schätze ein Dank wäre angebracht." Zähneknirschend musste er das eingestehen. Er mochte den Gedanken nicht wirklich, dass er einer Frau sein Leben verdankte. "Danke. Ich steh in deiner Schuld." Sie setzte sich neben ihn und antwortete in einem routinierten Tonfall: "Das war eine Selbstverständlichkeit."

Es entstand eine seltsam, lange Pause. Sie wussten nicht, wie sie weitersprechen sollte. Hatten sie doch beide dasselbe miterlebt, hatten beide mehr oder weniger gelitten. Sie hätte niemals die Gedanken, welche ihr gerade durch den Kopf gingen, offenbart, doch er hingegen tat es. "Also .. ich heiße übrigens Lin-Fen - aber nenn mich Fenris - also wir, meine Truppe, sind vom Stellvertretendem 2. Kommandant für die ionische Offensive" (Das noxische Militär liebte seine langen Bezeichnungen) "Mit der 15. gemischten Legion in Noxus hierher in den Südteil von Ionia entsendet worden, um die ionischen Aufstände niederzuschlagen und die Offensive voranzutreiben. Die Sonne berührte 3 Mal den Horizont bis wir von der Küste hier in das Tal gelangten." Es war schrecklich, die zhaunischen Kriegsmaschinen hinterließen eine riesige Schneise der Zerstörung: Wiesen, Wälder, in denen es wahrscheinlich mal von Leben wimmelte und kleine Dörfer, in denen Bauern und Tagelöhner ihrem Tageswerk nachgingen, die Reisfelder bestellten und sich dem friedfertigen Leben hingaben, sind niedergewalzt worden. Die Truppen, die hinter den Kriegsmaschinen hinterher marschierten, bekamen nur noch verbrannte, öde, tote Landschaften, Dörfer, die in Schutt und Asche lagen, niedergetretene Felder und viele Leichen, zu sehen.
Doch das sagte er nicht. Er seufzte nur wehmütig.
"Dieser "Krieg" scheint mir nicht sehr ehrenvoll. Als ich dem noxischen Militär beitrat, wollte ich den noxischen Idealen gleichkommen. Kämpfen und Sterben in Ehren von Hadon und Noxus. Doch DAS hatte ich mir nicht darunter vorgestellt." Seine Augen funkelten auf einmal träumerisch: "Weißt du, es gibt Erzählungen und Geschichten von einer Kriegerin namens Riven. Sie hat schon im Alter von 8 Jahren angefangen mit dem Langschwert zu trainieren. Sie war immer mein Vorbild. Die perfekte noxische Kämpferin ... ehrenvoll, selbstdiszipliniert, mutig, ein Tod in Ehren Noxus' wäre für sie nur logisch. Und schön ist sie auch, sagt man."
Sie biss sich schuldbewusst auf die Lippen. Sie kannte Riven sehr wohl. Sie WAR Riven. Doch sie schwor sich, dass Fenris das nie erfahren sollte. Es sollte so bleiben wie es ist, sie war eine einfache Soldatin in seinen Augen, nicht mehr nicht weniger.
"Ich hab auch schon von dieser Kriegerin gehört. Doch habe ich sie noch nie persönlich kennen gelernt." Sie war erstaunt, wie leicht ihr diese Lüge über die Lippen kam. Doch sie erkannte, dass es an sich die Wahrheit war. Sie und alle anderen hatten immer gedacht, dass sie die Perfektion des noxischen Ideal in Person ist - damit hatte sie sich und alle anderen belogen. Dieses Ideal gab es nicht. Es war nur eine billige Ausrede für das was das noxische Militär als "Krieg" bezeichnete. In Wahrheit war es die pure Vernichtung, ohne Ehre, ohne Skrupel, geschickt verpackt, als Reformierung des heidnischen Glaubens der Ionier und Befreiung von unterdrückten Einheimischen durch die rechtschaffenen, gerechten noxischen ... Fenris unterbrach abrupt ihren Gedankengang: "Wie nennt man dich?" Sie wandte ihr Gesicht ab und bemerkte: "Das tut nichts zur Sache." Doch innerlich suchte sie fieberhaft nach einem Namen. Fenris lächelte: "Unsinn, irgendwie muss ich dich ja nennen?!" Sie fand ein passendes Wort: "Nenn mich Mendra" Das hieß so viel wie Lüge in der Sprache der Altvorderen und Götter - nur die wenigsten kannten diese Sprache.
Er nickte zufrieden.

Schon viele Stunden waren vergangen seit Riven Fenris am Rande des Schlachtfelds gefunden hatte, nun war Abend und die Dunkelheit löste allmählich den Tag ab. Sie beratschlagten, ob sie ihre Nacht im Schutz dieses Waldes verbringen sollten, aber verwarfen diese Idee rasch, da sie nach wie vor in Feindesland waren. Sie mussten so schnell wie möglich aus diesem Tal raus, da es am nächsten Morgen wahrscheinlich nur von Ioniern wimmeln würde. Wenn sie nach Süden gehen würden, dann führt ihr Weg zwangsläufig durch eroberte Ländereien von Noxus. Auch das wollten sie vermeiden. Also entschieden sie sich, dass sie sich einen Weg zur Westküste von Ionia suchen.
Zwar hatten es beide nicht offen gesagt, aber wollten sie vorerst nichts mit dem noxischen Militär zu tun haben. Im Schutze der Nacht begaben sie sich gen Westen.

Ihre Arme, Beine und Gelenke hörten bald auf zu schmerzen. Wahrscheinlich sind diese Schmerzen durch die toxisch-zhaunischen Gase hervorgerufen worden. Sie durchquerten unter dem unendlich, großen, wolkenlosen Himmelszelt einen großen Wald, welcher noch nicht den Kriegsmaschinen zum Opfer gefallen war. Es roch nach frischem Baumharz, aber es war eigenartig still. Der Mond wies ihnen den Weg und spendete ein wenig Licht.
Riven war in Gedanken versunken und von Natur aus, brauchte sie nicht viel Schlaf, also verging viel Zeit, in der die beiden schweigend durchs Unterholz kletterten. Fenris hingegen schien kein Mensch zu sein, der seine Gedanken in sich vergrub und machte aus seinem Herz keine Mördergrube. Auch war ihm diese Stille unheimlich. "Weißt du, woher der Name Fenris kommt?" Riven schüttelte abwesend den Kopf. "Ich stamme aus Freljord, einer eisig-kalten Gegend hoch oben im Norden von Runeterra. Die Wintertage waren teils sehr hart und es wehte stets ein rauer Wind. Dann lagen die Menschen in ihren Schlafstätten und konnten nicht schlafen ... -
Fenris erinnerte sich noch genau. Er lag in seinem Schlafsack aus Robbenfell neben seiner Mutter nahe dem Langfeuer, um noch ein bisschen Wärme von der ersterbenden Glut zu erhaschen und lauschte dem Wind der an der Hütte vorbeipfiff. Ihm kam es so vor, als würden die Böen mit aller Kraft versuchen, die Hütte einzureißen. Sein Bauch knurrte, doch das merkte Fenris nur beiläufig. Die Menschen von Freljord waren daran gewöhnt, dass sie manche Winter Hunger leiden mussten. Auf einmal hörte Fenris weit, entfernte Wolfsstimmen, sie heulten mit dem Wind. In manchen Wintern, wenn die Menschen große Not, Verzweiflung und Hunger litten, schickte Frejlord, der Gott der eisigen Gefilde, seine Fenriswölfe hinunter in die Täler, damit sie die schwächsten Einwohner holen, so erzählte es man sich. Panik und Angst ließen Fenris erzittern, er erbitterte Frejlord leise, dass ihn die Fenriswölfe nicht holen sollten.
Seine Mutter schien ebenfalls nicht zu schlafen und hörte ihn, kam näher gerutscht und strich ihm langsam durch die Haare, während sie ihm erklärte: "Die Fenriswölfe werden weder dich noch mich, noch irgendjemand aus unserer Hütte holen. Erinnerst du dich? Sie holen nur die Schwächsten und du bist doch mein kleiner, tapferer Krieger." Fenris lächelte kurz, doch schien ihm diese Erklärung nicht zu reichen: "Aber wieso müssen sie das tun, Mutter? Können sie nicht in den Bergen bleiben? Sie halten sich doch sonst immer nur dort auf." Geduldig antworte sie ihm, sie wusste, dass ihr Sohn sich nicht mit einfachen Erklärungen zufrieden gab: "Weißt du, damit unser Volk stark bleibt und die Schwachen nicht eine Last für die Gesunden und Starken werden, holt sich Frejlord diese. Er tut Gutes, und die Fenriswölfe führen seine Befehle aus." "Er tut Gutes? Aber er bringt sie um!" "Hör zu, Fenris. Frejlord geleitet dann die Menschen, die ihm die Fenriswölfe bringen, nach Fortis. Dem Ort an dem all unsere verstorbenen Vorfahren ihre Ruhe gefunden haben und an dem wir am Ende unseres Lebens auch hingehen werden. Stell dir vor, du gehst auf eine Reise, dein Freund ist aber verletzt, du musst jedoch deine Reise fortführen. Würdest du weitergehen wenn du wüsstest, dass dein Freund in Guten Händen wäre?"
Fenris nickte heftig. "Natürlich ..."
Plötzlich wurde ihm bewusst, dass der Wind aufgehört hatte zu wehen. Es herrschte eine Totenstille. Dann hörte er viele, leichte Schritte im Schnee draußen vor der Tür. Sein Vater, der auf der anderen Seite des Feuers lag, bemerkte leise und mit einem leisen Unbehagen in der Stimme: "Sie kommen!" Die Schritte wurden lauter und Fenris vernahm ein leises Schnüffeln und leichtes Kratzen an der Tür. Er zog die Luft ein - nie zuvor hatte er so um sein Leben gebangt. Dann verschwanden die Schritte und Geräusche langsam. Es kehrte wieder eine Totenstille ein. Die wurde durch einen lauten, verzweifelten Menschenschrei zerrissen. Das Blut gefror Fenris in den Adern. Die Wölfe heulten triumphal auf und verschwanden mit der Beute. Fenris stieß einen Seufzer der Erleichterung aus und erst jetzt merkte er, dass er den Arm seiner Mutter krampfhaft umklammert hatte. - ... Zu diesem Zeitpunkt war ich 7. Mit 16 ging ich von Zuhause weg und schloss mich den gemischten Truppen in Noxus an. Dort nannte man mich kurzerhand Lin-Fen, da die noxischen Offiziere nichts mit Fenris anfangen konnten." Er kehrte mit seinen Gedanken zurück ins Diesseits. Riven hatte der Geschichte mal mehr, mal weniger aufmerksam gelauscht und stellte dann fest: "Also bist du nach diesen Fenriswölfen benannt." Ihr Gegenüber nickte.

Die Beiden waren jetzt fast die ganze Nacht hindurch gewandert. Riven war noch immer sehr schweigsam, Fenris hingegen sehr gereizt - die Stille zermürbte seinen Verstand, die Müdigkeit machte ihn zu schaffen und er hatte offengesagt keine Lust mehr Selbstgespräche zu führen. Riven gab nur vage Kopfzeichen wie Nicken und Kopfschütteln und beantwortete seine Fragen nur einsilbig oder gar nicht.
Sie schien zu sehr mit sich selbst zu beschäftigt zu sein, aber Fenris nahm ihr das nicht übel. Kurz bevor sie einen breiten, flachen Fluss überqueren wollten, stolperte Fenris über eine Wurzel und kam unsanft mit dem Gesicht im Dreck auf. Riven seufzte und sagte, dass sie jetzt ein bisschen schlafen werden. "Oh nein, ich war nur etwas ungeschickt. Lasst uns weiter gehen", beschied er großspurig. Riven runzelte die Stirn und sprach in einem leicht gereizten Tonfall: "Also Fenris, richtig? Du musst wissen, dass ich, auch wenn ich vielleicht nicht so aussehe ..." Sie zeigte an sich herunter. Sie hatte ihre schwere Rüstung weggeworfen, trug jetzt einfache Stoffkleider und ihr kaputtes Schwert fest in der rechten Hand. Unbewusst fuchtelte sie damit aufgeregt vor Fenris Nase herum. "... eine erfahrene Kriegerin bin und mir weitaus mehr Kampfeswissen angeeignet habe wie du. Ich führe uns sicher bis zur Küste, ab da kannst du hingehen, wohin es dir beliebt. Ohne mich. Verstanden? Vertrau mir einfach." Schloss sie leichthin ab und wollte sich schlafen legen. Aber Fenris fuhr laut auf: "Wie soll ich dir vertrauen, wenn du nicht mal mit mir redest? Hat es dir die Sprache verschlagen? Ich leide genauso wie du! Ich hab genauso wie du in der Schlacht all meine Freunde und den Glauben an Noxus verloren!" Seine Stimme wurde immer schriller und lauter. "Meinst du, dass du die einzige bist, die Opfer zu beklagen hat?"
"Ich leide mehr als du dir vorstellen kannst ..", hauchte sie traurig und legte sich mit langsamen Bewegungen hin.
Fenris blieb erschrocken stehen, Mendras wahres Gesicht hatte sich für einen kurzen Augenblick offenbart. Über den ganzen Marsch hinweg, hatte sie eine ausdruckslose Maske der Gleichgültigkeit getragen, doch in Wirklichkeit war sie zutiefst verletzt und traurig. Er verspürte einen starken Drang sie zu trösten und in die Arme zu nehmen. Doch er wusste, dass es jetzt nicht die richtige Situation war. Sein Verstand verlangte danach, noch mehr von der wahren Mendra zu sehen, auf einmal trieb ihn eine innere Unruhe. Er wollte derjenige sein, der ihren scheinbar undurchdringlichen Panzer knackt.
Erschöpft legte er sich ein wenig abseits schlafen. Innerhalb von wenigen Sekunden sank er tief in die Traumwelt des Schlafes hinab.

Part 2 - In Ketten

Er wurde unsanft mit einem Tritt in die Seite geweckt. Erschrocken schlug er die Augen auf, doch die Sonne blendete ihn und er konnte nur vage eine Person zu seiner Rechten erkennen. "Mendra, was ist ..." Er wollte aufstehen, doch er spürte ein scharfes Brennen an seiner Kehle. "Das würde ich an deiner Stelle nicht tun. Ich weiß, wie man mit Waffen umgeht und du wärst schneller abgestochen wie ein noxischer Soldat "Ehre" sagen kann." Fenris glaubte der Stimme aufs Wort.

Sie, Akali, die Faust der Schatten und ihre Mitstreiterinnen betraten das Schlachtfeld, als die Nacht hereinbrach und suchten nach Überlebenden, doch vergebens. Kalter Hass erfüllte Akali. Durch einen glücklichen Zufall entdeckten sie eine Blutspur, die vom Tal raus in ein kleines Waldstück führte. Von da an war es ein Kinderspiel den Spuren zu Folgen. Dann, als die Nacht langsam dem Tag wich, entschlossen sie sich, ihre Opfer im Schlaf zu überfallen.
Mit offenherzigem Hohn sah Akali die zwei Noxier an.
"Zwei noxische Soldaten ganz alleine auf ionischem Gebiet, ohne Rüstung, unvorsichtig und dazu auch noch gänzlich unbewaffnet ..." Sie kickte Rivens "Schwert" achtlos zur Seite. "... und zu ihren Füßen liegen praktisch tausende ionische Soldaten. Heute scheint mein Glückstag zu sein!" Mit einem freudigen Lächeln holte sie Schwung und trat ihrem Peiniger in die Niere. Entzückt weidete sie sich an dem schmerzerfüllten Gesicht des Mannes. Geschieht dir Recht, dachte sie, aber sofort darauf tat es ihr ein wenig Leid. Rache war nicht ihr Ziel. Ihr Blick wanderte weiter zur der weißhaarigen Frau, die mit einem hasserfüllten Funkeln in den Augen zu ihr aufblickte. Sie schauten sich direkt in die Augen. Ihr wurde ganz seltsam zumute - die noxischen Soldaten, ob Mann oder Frau, die sie gefangen nahm, hatten immer ein fanatischen Hass in ihren Augen. Aber diese Frau unterschied sich von den anderen, dieser Frau war die Verzweiflung ins Gesicht geschrieben, gleichzeitig war sie von einer Aura der Entschlossenheit umgeben.
"Wisst ihr, Noxier. Jedes Mal wenn ich euresgleichen gefangen nehm, denk ich mir: Jeder Tag, in der ihr euer blutrünstiges Tagewerk nicht ausüben könnt, weil ihr meine Gefangenen seid, wird ein unschuldiger Ionier einen Tag länger leben können. Und jeder Tag, an dem ein unschuldiger Ionier unter eurer Invasion leiden muss, werdet auch ihr leiden. Ist das nicht gerecht? ... Gleichgewicht in allen Dingen." "Gleichgewicht in allen Dingen", wiederholten Akalis Schatten. "Hadon wird euch für eure Taten büßen lassen!", flüsterte die weißhaarige Frau. "Ach, Hadon, ja? Habt ihr einmal daran gedacht, dass ihr euer Schicksal selbst gestalten könnt?", antwortete Akali eindringlich. "Das ist vermessen.", bekam sie von Mendra zu hören. Kopfschüttelnd gab Akali den Befehl zum Aufbruch.

Mit dem Gesicht im Gras und seiner schmerzenden Niere, wurde Fenris roh von hinten gepackt und gefesselt. Erstaunt stellte er fest, dass es ein dünnes Tuch war, mit dem er gefesselt wurde. Auch Mendra musste das bemerkt haben, denn sie schaute mit einem fragenden Seitenblick zu ihm hinüber, dann zwinkerte sie verschwörerisch.

Einer der Ionierinnen war vollauf damit beschäftigt Riven einen unnötig festen Knoten zu binden und bemerkte nicht, was in ihr vorging. In Rivens Kopf rasten die Gedanken, wie immer vor einer Konfrontation: Eine hinter mir. Die Anführerin und eine neben mir rechts. Mit wenigen Schritten wären sie bei mir. Drei weitere ein wenig abseits. Alle bewaffnet mit seltsamen gebogenen Waffen. Langem Griff und scharfer Klinge. Dann zählte sie von Drei rückwärts - das Blut rauschte ihr in den Ohren und ihre Sinne waren geschärft.
Mit einer schnellen Bewegung trat sie einen Schritt zurück und schlug der Ionierin hinter ihr die Beine weg, entledigte sich ihrer Fesseln, drehte sich um und trat der am Boden liegende fest in den Bauch, so dass diese verzweifelt nach Luft keuchte. Riven stahl ihre Waffe, sie war erstaunlich leicht, lag aber dennoch gut in der Hand. Zwei zur rechten, Drei vor ihr. Ich hatte schon gegen mehr Gegner den Sieg davongetragen, dachte sie siegesgewiss. Zwei stürmten mit unverhohlener Geschwindigkeit auf sie zu, doch blieben abrupt in der Bewegung stehen, als Riven die Stimme der Anführerin vernahm: "Eine weitere Bewegung und dein Freund hier ist tot."

Panisch bemerkte Fenris, wie ihm ein warmes Blutrinnsal die Kehle herunter tropfte. Muss sie mir immer an die Kehle gehen, schrie er innerlich. Er schluckte und sein Adamsapfel streifte die harte, scharfe Klinge der Waffe. Seine Lippen formten die Worte BITTE als er Mendra in die Augen sah. Langsam ließ sie die Arme sinken und darauf auch auf die Waffen fallen.

"So ist gut, lass die Kamas fallen.", sagte Akali leise. Sie hatte die Gefangenen mit seidenen Stoffbinden gefesselt, um herauszufinden, wie viel Lebenswillen noch in ihnen steckte. Und um herauszufinden, wie viel der weißhaarigen Noxierin an diesem Soldat lag - oder anders herum, wenn er die Eigeninitiative ergriffen hätte. Anscheinend mehr, als sie zuerst vermutetet hatte. Schließlich gab Akali den erneuten Befehl zum Aufbruch und die Gefangenen wurden diesmal mit Runenketten gefesselt, besonders widerstandsfähige Ketten, die aus seltenen Metallen hergestellt wurden.

Die Kolonne bahnte sich einen Weg durch den Wald. Die fächerartigen Blätter der Bäume, die hier anscheinend in der ganzen Gegend wuchsen, spendeten genug Schatten, so dass die heißen Sonnenstrahlen der Gruppe nicht zu schaffen machte. Riven führte sozusagen den Tross an - die Schatten wussten, dass ihre Gefangene nicht schnell genug mit den Fesseln rennen konnte, außerdem konnte ihnen in diesem Gelände keiner was vormachen - die Schatten waren in ihrem Element - also lief Riven vorne, damit keiner ihrer Bewegungen unbeobachtet blieb. So konnte auch die Ionierin hinter Riven, welche Minuten zuvor Opfer des Fußtrittes geworden war, sie ungestört vor sich her schubsen. Danach folgten Fenris weitere Assassinen und zum Schluss Akali.
Bald kreuzten sie einen schmalen Pfad, dem sie dann folgten. Kurz darauf machten sie eine kleine Rast an einem rauschenden Bach.


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xKnusp3rx

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29-12-2012

Unbeholfen setzte sich Fenris neben Mendra, während eine der Assassinen im Dickicht verschwand und zwei weitere ein kleines Feuer mit kleinen Stöcken entfachten.
"Alles in Ordnung bei dir, Mendra?", fragte Fenris vorsichtig. "Du stellst Fragen, natürlich nicht!", antwortete sie gereizt. Den ganzen Tag über war sie von ihrer Peinigerin hinter ihr beleidigt, herum geschubst und sogar getreten worden. Verstimmt nickte Fenris knapp und legte sich hin - er war es immer noch nicht gewöhnt von Mendra abgefertigt zu werden.
Nach einiger Zeit, das Feuer brennte fröhlich vor sich hin, ein paar Assassinen redeten angeregt untereinander, ein paar andere fingen Fische und brieten sie am Feuer, wurden die Schatten der Bäume länger und die Sonne ging langsam unter.
Fenris wachte benommen aus seinem Halbschlaf auf und schaute verwirrt um sich. Dann stellte er ernüchtert fest: Immer noch gefangen. Verwundert entdeckte er ein paar gebratene Fische vor sich, die köstlich dufteten. Sein Magen knurrte bedrohlich. Greif zu, sagte sein Bauch. Das ist bestimmt vergiftet, sagte sein Verstand. Die riechen verdammt köstlich, sagte seine Nase. Und lecker schmecken tun sie auch, sagte sein Mund. Fassungslos bemerkte er, dass sich seine Hand und sein Mund eigenständig gemacht hatten. Er hatte bereits zugegriffen und abgebissen. Schnell spuckte er das saftige Fischstück wieder aus. Schade um den leckeren Fisch, sagte sein Herz. Als Fenris sich wieder betrübt hinlegen wollte, bemerkte er, dass die Anführerin, welche die ganze Zeit abseits gesessen hatte, auf sie zukam. "Glaub mir, wir machen uns nicht die Mühe euch erst gefangen zu nehmen, dabei zu riskieren, dass einer von uns getötet wird, euch dann mitzuschleppen und erst euch erst DANACH zu vergiften.", bemerkte sie spöttisch und setzte sich vor ihre zwei Gefangenen ins Gras. Fenris hatte Mühe, ihr das zu glauben.

Aber es machte Sinn. Stirnrunzelnd linste er auf das ausgespuckte Fischstück.

"Wie geht es euch? Wollt ihr nicht näher ans Feuer?", fragte Akali zuvorkommend, nahm sich nebenbei ein Stück und biss herzhaft ab, also wolle sie trotzig beweisen, dass die Fische nicht vergiftet waren. Es verärgerte sie ein bisschen, dass ihre zwei Gefangenen das Essen verweigerten.
"Es tut mir Leid, wenn dich vorhin Kisha zur sehr rangenommen hat. Ich werd mit ihr darüber reden - es ist nicht unser Ziel Rache an euch auszuüben.", gestand sie der weißhaarigen Gefangenen ruhig. Mendra wurde sie von ihrem Begleiter genannt, rief sich Akali ins Gedächtnis.
Mendra schaute ihr lange starr in die Augen. Dann fragte sie Akali: "Was ist dann euer Ziel? Was habt ihr mit uns vor? - Wir sind doch nur zwei einfache Soldaten."
Akali nahm an, dass sie doch ein wenig mehr waren als nur zwei einfache Soldaten. Dann atmete sie geräuschvoll aus - "Was ist euer Ziel?" - eine oft gestellte Frage. Sie antwortete routiniert: "Gleichgewicht in allen Dingen - das ist unser Kodex, unser Lebensinhalt. Ich und meine Assassinen versuchen, das allgemeine Gleichgewicht in Runeterra mit allen Mitteln zu erzwingen. Die Welt, wie wir sie kennen, existierte seit jeher in völliger Balance. Sie war nahezu perfekt, da schlechte Dinge und gute Dinge im Einklang standen. Gewalt und Pech beispielsweise hat sein berechtigtes Dasein im Universum - sie sind Bestandteile des großen Ganzen - genauso wie Friede und Glück. Die Welt gerät leicht aus dem Gleichgewicht, deswegen versuchen wir das zu verhindern, doch seit dem Einfall der noxischen Truppen in Südionien wurde das zur scheinbar unlösbaren Aufgabe ... ihr seid ehrlos, hinterhältig und kämpft ohne Gewissen. Ihr nehmt selbst Opfer in den eigenen Reihen in Kauf, um zu siegen!", endete sie.

Riven hatte hellhörig zugehört. Bitter stellte sie fest, dass ihr Gegenüber Recht hatte, aber auch, dass sie Rivens Frage teilweise ausgewichen war. "In meiner Ausbildung zum Soldat hat man mir immer folgendes noxisches Ideal eingetrichtert: Ganz gleich welcher Rasse, welchem Geschlecht oder welcher sozialen Schicht man angehört - alles was zählt, ist Stärke. Ehrenvoll und mutig auf dem Schlachtfeld zu kämpfen und ohne Furcht dem Feind entgegenzutreten. Aber anscheinend zählt das nun nicht mehr - viel eher zählt jetzt: Siegen, ganz gleich welchen Preis man dafür zahlen muss. Ich ...", erschrocken beendete sie ihr Gerede. Wie hatte sie sich nur zu solch einer Bemerkung hinreißen lassen. Nervös lugte sie zu Fenris. Mit einem Lächeln auf den Lippen nickte er ihr anerkennend zu.

Bedrückt stellte Akali fest: "Das ist schade. Jeder sollte einem Ideal folgen, dem er vertrauen kann und notfalls sollte man es auch verteidigen und ebenso an Unwissende weitergeben." Mit diesen Worten hatte sie unabsichtlich eine Idee, einen Gedanken, in Rivens Kopf gepflanzt. Ein Gedanke, der im Laufe der Zeit gedeihen und reifen sollte. Ein Gedanke, widerstandsfähig und felsenfest. Dieser Gedanke sollte Riven für ihr restliches Leben begleiten.

Nach einiger Zeit, Akali hatte sich mit ein paar anderen Schlafen gelegt, während drei andere Wache schoben und unbemerkt argwöhnische Blicke zu ihren Gefangenen warfen, schlief Fenris auch ein. Er hatte sich lange Gedanken gemacht, wieso die Anführerin der Schatten sie so anders behandelte. Außerdem war sie zuvorkommend, offen und nicht gewalttätig. Und was hatte es mit diesen Stofffesseln auf sich? Aber seine meisten Gedanken widmete er Mendra. Sie war im Gespräch mit der Führerin auf einmal so offen gewesen, hatte ihre Verbitterung preisgegeben. Ob sie vor der Schlacht anders gewesen war? Wie sollte er "anders" definieren - er kannte sie erst seit der Schlacht. Woher kam sie? Konnte er ihr Vertrauen - die Frage bejahte er instinktiv. Wieso vertraute er ihr? Die Frage war simpel, Fenris wusste keine Antwort darauf, aber er brauchte auch keine Antwort. Zufrieden mit der Tatsache, dass er ihr vertraute, überfiel ihn auf einmal eine neue Frage: Vertraut sie mir? Verwundert hielt er in seinen Gedanken inne. Das wird sich noch zeigen Fenris, sagte er sich leise. Schließlich schlief er ein.

Plötzlich wurde er mit einem ruppigen Rütteln an den Schultern geweckt, er bemerkte, dass die Assassinen sich auf den Aufbruch vorbereiteten und das Feuer gelöscht wurde. Es war noch ein wenig dunkel - er hatte nicht lange geschlafen - aber die ersten Sonnenstrahlen kündigten den neuen Tag an. "Aufwachen Mendra", sagte er leise und berührte sie vorsichtig am Arm, aber die Angesprochene war sofort wach. Sie nickte Fenris zu und die Beiden standen auf. Es wurden kurze Anweisungen gegeben, dann brachen sie auf.
Der Marsch war ermüdend und ereignislos. Fenris registrierte nur flüchtig, wie ein Schatten während dem Marsch zu ihnen hinzustieß. Das war wohl diejenige, die am Abend im Dickicht verschwunden war - was wie wohl gemacht hatte? Die Anführerin der Schatten nickte zufrieden, als sie ihr Bericht erstattete.

Part 3 - Jagneto

„Was meinst du Herro? Sind die Gerüchte wahr?“, fragte Tensil müde. Er gähnte herzhaft und streckte sich wie eine Katze, was allerdings gar nicht so einfach in der schweren Rüstung war. Herro antwortete: „Nein, ich glaube kaum, dass eine so große Kämpferin uns in unserer bescheidenen Feste besuchen würde. Was für eine Grund sollte sie haben?“ Tensil zuckte mit den Schultern. Dabei waren Herros Worte ein wenig untertrieben – diese „bescheidene Feste“ zählte zu den größten Festungsanlagen in Ionien und wurde Jagneto genannt. Ein gigantisches Haupttor, einen äußeren und inneren Mauerring, eine beständige 1000-Mann starke Garnison und einen massiven Turm, halb Gefängnis, halb Wachturm, in der Mitte der Feste, machte Jagneto schier uneinnehmbar. Gelangweilt schaute Tensil über die Mauer ins weite Land hinaus. Die Feste befand sich mitten in einem ausgedehnten Plateau. Man konnte von einem zum anderen Ende des Plateaus schauen, da - außer ein paar kleinen Waldstücken, Flüsschen und einem Dörfchen mit Reisfeldern – es mit Gras bewachsen war und so freie Sicht gewährte. Um das Plateau herum erhob sich hohe schneebedeckte Berge mit Ausnahme des einzigen Zugangs zur Ebene, ein Waldstück, aus dem der Gefangenentransport just heraustrat. „Ich glaube, ich habe einen Grund gefunden, wieso Akali uns besuchen würde.“, sagte Tensil ungläubig. „Ach ja? Lass hören.“, erwiderte Herro. „Nun ja, weil … schau doch einfach selbst.“ Tensil zeigte auf den vermeintlichen Grund. Dann sah es Herro auch. Acht Gestalten, davon fünf ionische Schatten, ihre Anführerin Akali und zwei Gefangene, denen ihre Augen verbunden worden waren, passierten die Torwachen. „Ich glaub, ich träume. Die Gerüchte sind also doch wahr.“, wisperte Herro.
Während Fenris durch die Augenbinde nichts sehen konnte, so waren seine verbliebenen Sinne hingegen geschärft. Er hörte Stimmen, Anweisungen, Befehle, ebenso wie Geräusche, Schritte; dann das Geräusch von Hämmern, der Geruch von Rauch, eine Schmiede; das Geräusch von berstendem Holz, der Geruch von Baumharz, eine Schreinerei; dann das Geräusch von klirrenden Waffen, das Suren von Bögen, der Geruch von Schweiß, ein Übungsplatz; auf einmal wechselte der Boden, Steinboden; der Geruch von Öl und Rauch, Fackeln; der Hall von Stimmen, ein großer Raum. Schließlich blieben sie stehen und die Augenbinden wurden ihnen abgenommen.
Er und Mendra befanden sich in einem großräumigen Raum. Der Steinboden war mit frischen Stroh und Kräutern ausgelegt und der Raum war hell erleuchtet. Die Zellen wurden durch dicke Mauern voneinander getrennt, aber jede Zelle hat seine eigene Nische mit Latrine, damit man unbemerkt seine Notdurft verrichten konnte. Außerdem hatte jede Zelle eine große, runde, vergitterte Öffnung durch die man weit über die Mauern hinweg ins Land schauen konnte. Betten beinhalteten sie leider nicht, aber das war für Fenris nicht weiter schlimm, da er in der Armee immer auf dem Boden hatte schlafen müssen. Die Zellen waren weder nass, noch stanken sie. Er und Mendra wurden zusammen in ein Verlies gesteckt und ihnen wurden die Runenfesseln abgenommen.
Die Assassinen verschwanden, ausgenommen ihre Anführerin. Diese wechselte ein paar Worte mit den Wachsoldaten, die dann eilends die Wachkammer verließen. Akali trat mit bedächtigen Schritten vor die Zelle.
Akali konnte sich nicht mit dem Gedanken abfinden, dass sie ihre Gefangenen in andere Hände gab.
Die Beiden waren anders, nicht beseelt von Hass und Bosheit, sondern eher verbittert und vor allem aber auch lernfähig. Sie hätten vielleicht eines Tages hervorragende ionische Soldaten abgegeben, dachte sich Akali. Aber ihre führende Hand wurde anderweitig gebraucht.
"Damit endet unsere Reise - eure hier - meine führt mich auf neue Schlachtfelder. Das Gleichgewicht der Welt braucht mich."
Rivens braune Augen schauten tief in Akali hinein, als sie bemerkte: "Aber lieber würdest du noch hier bleiben - bei uns, hab ich recht?" "Ja du hast recht. Ich schätze ... dass ich euch mag, aber gleichzeitig verabscheue ich euch. Noch verabscheue ich euch dafür, was ihr in eurer Vergangenheit getan habt, aber die Zeit lässt Vergangenes vergessen und heilt tiefe Wunden." Akali hatte ihr Herz auf der Zunge, sie log sehr selten. Jetzt war sie diejenige, die ihr Gegenüber tief in die Augen sah. "Ich kann nur erahnen was euch vor drei Tagen zugestoßen ist - aber ihr seid enttäuscht und verraten worden. Wenn deine Gefühle es zulassen, dann lässt dein Gesicht tief blicken, Mendra." Fenris beobachtete gebannt die Szene. Für ihn war es wie ein kleines Gewitter, das Aufeinandertreffen von zwei starken, wortgewandten Frauen, die versuchten ihrer Kontrahentin Brisantes zu entlocken.

Riven biss sich auf die Unterlippe und flehte ihre Zunge an, jetzt nicht ihre Gedanken auszuplaudern. Sie hatte immer versucht einen teilnahmslosen Ausdruck zu bewahren und kühl zu bleiben - nicht ihre Verletzlichkeit zu zeigen. Das wurde von Stunde zu Stunde, von Gespräch zu Gespräch schwieriger. Gereizt fragte sie sich, welchen Plan die Anführerin der Schatten verfolgte. Ausweichend erwiderte sie: "Ihr macht euch zu viele Gedanken, werte Akali." Den Namen hatte sie auf dem Weg zur Zelle aufgeschnappt. Akali war ihr bekannt - sie war einer der größten und ernstzunehmenden Feinde Noxus.
Diese nickte knapp und sagte ihnen "Lebt wohl." Anscheinend hatte sie mehr Offenheit von Riven erwartet. Da kann sie lange warten, dachte sich Riven.

"Lebt wohl? Das soll ja jetzt ein schlechter Scherz sein ...", hörte Fenris Mendra zischen. Akali trat durch die Tür hinaus und ein paar grobschrötige, miesgelaunte Wachen betraten dann den Raum. Ihm wären Wachen von der Sorte Akalis weitaus lieber als diese Halunken.
Miesmutig ließ er sich schließlich an der Wand herunter gleiten und schaute sich in der Zelle um.
Die Sonne schickte ein paar Sonnenstrahlen durch die Öffnung. Mendra lag auf dem Boden, hatte die Arme hinter ihrem Kopf gekreuzt und schlief.
Wie macht sie das nur so schnell? Und das bei dieser Helligkeit? - fragte sich Fenris gedrückt. Er könnte nie so schnell einschlafen - oder doch? Versuchsweise legte er sich auf den Rücken und schloss die Augen. Er gähnte, kratzte sich am Auge, dann an seinem kurzen Bart, seufzte ungeduldig, versuchte es sich gemütlicher zu machen, fuhr sich durchs Haar, nahm eine neue Liegeposition ein und schniefte. Ächzend erhob er sich und stellte fest - Nein, er könnte nie so schnell einschlafen.
Schlief Mendra wirklich? Er räusperte sich, räusperte sich lauter und begann dann zaghaft zu fragen: "Schläfst du, Men ...?" Sie unterbrach ihn gereizt: "Nein, wenn du so viel Krach machst, nicht! Lass mich in Ruhe Fenris!" "Alles klar.", beschied Fenris und ließ sich leise jammernd zu Boden sinken. Drei Minuten später schlief er und schnarchte laut vor sich hin.

Er wurde wieder einmal unsanft geweckt. Ein ohrenbetäubender Donner fuhr nieder und es blitzte hell auf.

Für einen Moment sah er sich zurückversetzt - auf das Schlachtfeld vor drei Tagen.
Donnern. Menschenschreie. Fenris lief so schnell wie ihn seine Beine nur tragen konnten. Um ihn herum flogen Dreck, Metallteile und ... Körperteile. Soldaten wurden innerhalb eines Liedschlags von zhaunischen Bomben zerrissen. Dann wurde es düster und seine Erinnerungen schwanden dahin.
Diese drei Tage kamen Fenris vor wie einen ganzen Monat. Es hatte sich so viel verändert.
Er war gefangen - es donnerte und er war davon aufgewacht. Seine Gedanken fanden in das hier und jetzt zurück.

Beunruhigt schaute Fenris nach draußen. Er konnte nicht viel erkennen, die Gewitterwolken verdüsterten den Mittagshimmel komplett. In der Ferne flammten im Sekundentakt Blitze auf. Dann begann es auf einmal zu tröpfeln, es wurde stärker, es regnete dicke Tropfen. Schließlich regnete es in Strömen. Es war ein ohrenbetäubender Lärm.
Nach kurzer Zeit drang Regenwasser in die Zelle ein. Die Wache vor der Zelle bemerkte es ebenso, aber zuckte dann unbeholfen mit den Schultern, rief über den Lärm hinweg: "Ihr müsst hier drin bleiben. Egal was passiert. Anordnung vom Aufseher. Meine Hände sind mir gebunden." Und drehte ihnen wieder den Rücken zu.
Mendra schlug vor, dass sie sich Rücken an Rücken neben die Zellenwand hinsetzten sollten, damit sie, falls sie einschlafen würden, nicht mit dem Gesicht im Wasser liegen müssten.
Zustimmend nickte Fenris und sie setzten sich hin.
Der Regen erinnerte Fenris an seine Heimat. In den Herbst und Frühlingsmonaten schickte Frejlord oft Regen vom Himmel. Beklommen dachte er über seine Ursprungsgestade nach, dann über seine Eltern. Er hatte sie lange nicht mehr gesehen, es waren Jahre vergangen, seit er zum Abschied sie in die Arme genommen hatte und von Zuhause fortgezogen war. Und auf einmal nach all den Jahren erfasste Fenris ein seltsames Ziehen in der Magengegend. Es tat weh und zerrte an seinen Gefühlen. Er hatte Heimweh.
Auch hatte er Angst vor der Zukunft - werden sie uns schlagen, foltern oder umbringen? Oder uns gar in dieser Zelle verrotten lassen? Was haben sie mit uns vor?
Eine kleine Träne entwischte Fenris Augen und kullerte langsam die Backe herunter. Erschrocken wischte er sie weg. Plötzlich vernahm er Mendras leise Stimme.

"... es war genau an so einem regnerischen Tag wie heute - das viele Wasser verwandelte den Boden des Festungshof in eine riesige Schlammpfütze und wir, die Torwachen, zogen verdrossen den Kopf ein, als uns gesagt wurde, dass der Kommandant alle auf den Vorhof befehligte. Keiner wusste wieso. Es stellte sich heraus, dass er uns zusehen lassen wollte, wie er einen demacischen Gefangenen auspeitschte. Dies war in den ersten Tagen meiner Ausbildung - ich sträubte mich und machte Affront gegen den Kommandant. Also drückte er mir mit grimmigem Gesicht die Peitsche in die Hand und sagte: "Entweder wirst du den Demacier auspeitschen oder du wirst an seine Stelle treten und, bei Noxus, ich werde keine Gnade walten lassen. Zeig Stärke, Rekrutin." Fenris spürte, wie Mendras Körper wütend auf bebte. "Und ich ... war zu schwach, zu geblendet, gab nach und peitschte ihn aus. Heute hast du Stärke bewiesen, hatte ich mir damals eingeredet. Eine simple Rechtfertigung." Auf einmal kippte Mendras Stimme und ein deutliches Schluchzen war zu vernehmen. "... zwei Tage später erlag der Demacier dem Wundfieber. Ich habe ihn getötet, ohne dass er sich hätte wehren können. Ich schäme mich so! Für alles Schreckliche was ich in meiner Vergangenheit getan hab!" Erschüttert wandte sich Fenris Mendra zu und nahm sie vorsichtig in den Arm. Unbewusst strich er ihr leicht über den Kopf.
Dann brachen Mendras Dämme und sie weinte sich hemmungslos an Fenris Schulter aus.

Sie krallte sich mit ihren Fingern in Fenris Rücken. Ihr Körper bebte, die Tränen wurden von seiner Kleidung aufgesogen und ein lautes Wimmern hallte in seinen Ohren wieder. Auf einmal fühlte sich Fenris schuldig, denn er genoss diese Situation. Zum einen versuchte Fenris sie mit beruhigenden Worten zu trösten, anderseits wollte er, dass dieser Moment nie wieder vergeht. Nach all den harschen, ablehnenden Worten zeigte sie ihre wahren Gefühle. Er hatte ihren Panzer aus Gleichgültigkeit geknackt – oder nur ein wenig geöffnet? Allmählich versiegten ihre Tränen und er hörte nur noch das Rauschen des Regens. Ihr Kopf lag auf seiner Schulter und sie hatte ihn immer noch umklammert. Aber mit einem plötzlichen Ruck löste sie sich von ihm. Für einen Moment schauten sie sich in die Augen.

Was denkt er jetzt über mich? Ich hätte das nicht tun sollen, erkannte Riven. Ihr Gegenüber lächelte sie an. Nein, nein, nein ganz falsch! Mit kratziger Stimme sagte sie knapp: „Es tut mir leid.“ Sie schniefte ungehobelt mit der Nase und setzte sich ein wenig entfernt von Fenris hin. Aber ihr Herz fühlte sich nun ein wenig leichter an, es hatte ihr gut getan ihre Gefühle auszudrücken, stellte sie verwundert fest. In ihrem Soldatenleben hatte es nicht viel Platz für Gefühle gegeben. Mit Gefühlen zeigte man Schwäche – gegenüber dem Feind und ebenso gegenüber den Kameraden. Es machte einen verletzlich, angreifbar, schutzlos. Das einzige Gefühl, welches sie zugelassen hatte, war ihre Liebe zu Noxus - wie töricht.
Doch gab Fenris ihr auf eine sonderbare Weise, Geborgenheit und Vertrauen, wie es kein anderer Mensch zuvor getan hatte. Es war fast schon beunruhigend - sie kannte ihn ja erst seit vier Tagen. Ob er etwas für mich empfindet, fragte sie sich zerknirscht. Sie wollte nicht, dass er etwas für sie empfindet. Sie wollte ihm nicht wehtun, denn wenn er ihr seine Liebe gestehen würde, dann würde sie es instinktiv ablehnen.

Sie zeigte ihm wieder die kalte Schulter. Enttäuscht bemerkte er, dass er ihren Panzer nicht geknackt hatte, aber er war immer noch fest entschlossen. Entschlossenheit war eine von Fenris Stärken. Geduld nicht. Aber er hoffte, dass sich seine Geduld irgendwann auszahlen würde. Plötzlich schossen ihm einige neue Frage in den Kopf: War er verliebt? Oder wollte er nur ihr Gefühle entlocken? Wieso bin ich ihr damals gefolgt? Empfindet sie auch etwas für mich? Er wusste auf diese Fragen keine Antwort. Aber eins wurde ihm allmählich gewahr: Ihr und sein Schicksal waren miteinander verbunden, zumindest solange sie hier gefangen waren. Falls sie aus diesem Loch ausbrechen werden, wird es sich zeigen, ob ihr Schicksal sie noch länger aneinanderbinden wird.

Die Beiden redeten zwar nicht miteinander, aber die Luft zwischen ihnen war erfühlt von Gedanken über den gegenüber Sitzenden.
Dieser geladene Moment wurde zerrissen, als ein Wachsoldat, bepackt mit dicken Tierfellen, den Raum betrat und ein paar kurze Worte mit dem Wächter vor ihrer Zelle tauschte. Das weiter eindringende Wasser suchte sich, mit einem geräuschvollem Plätschern, seinen Weg durch die Zelle, unter den Gitterstäben hindurch und verschwand in einem vergitterten Schacht am Ende des Raumes.
Der Wächter vor der Zelle nahm dem anderen Soldaten seine Felle ab und warf es Mendra und Fenris mit den Worten: "Die werdet ihr heute Nacht brauchen." durch die Gitterstäbe zu. Dann wurde er abgelöst und verließ mit plötzlicher Eile den Raum. Wieso hat er es so eilig, dachte sich Fenris verwundert.

Die Nacht brach langsam hinein, der Regen hörte auf und somit versiegte auch das Rinnsal, welches durch ihre Zelle floss. Allmählich rissen die Wolken auf und kalte Luftschwaden wehten durch das vergitterte Zellenfenster.
Im Gegensatz zu Mendra war Fenris noch hellwach, er versuchte erfolglos mit der Wache vor der Zelle ein Gespräch anzufangen, aber dieser reagierte nicht. Dann schaute Fenris betrübt aus dem kreisrunden Fenster hinunter auf den Festungshof.

Der Gefängnisraum befand sich nicht sehr weit oben - aber für einen Sprung hinab wäre die Höhe immer noch tödlich, stellte er fest. Angenommen, jemand würde einen großen Haufen Heu genau unter dem Fenster positionieren und die Gitter wären ihnen nicht im Weg, würden sie den Sprung aus dem Fenster schaffen? Ja, mit ziemlicher Sicherheit, rechnete sich Fenris aus. Unten angekommen müssten sie dann gegen die Torwachen der inneren Mauer kämpfen - ein großes Stück weiter vorne, vorbei an einem großen Platz und ein paar Häusern, befände sich die große Außenmauer. Mit sinkender Hoffnung folgte er der Strecke zwischen dem imaginärem Heuhaufen und dem äußerem Haupttor und stellte seufzend fest, dass eine Flucht so gut wie unmöglich war.
Erschrocken drehte Fenris seinen Kopf und beendete seine Fluchtgedanken, als plötzlich die große Tür zum Gefängnis weit aufgestoßen wurde. Mendra öffnete die Augen und die Wache vor der Zelle zuckte zusammen.

Zwei schwergepanzerte ionische Soldaten - sie hatten goldig-glänzende Rüstungsteile und kunstvoll-geschliffene Schwerter, erschienen im Türrahmen und winkten die Wache zu sich. Diese wurde weggeschickt und die Soldaten positionierten sich ohne Mendra und Fenris eines Blickes zu würdigen vor der Tür. Alsbald vernahm Fenris leise Schritte und die dazugehörige Person traf ein.
Viel konnte man von ihr nicht erkennen, sie trug einen langen braunen Reisemantel und die Kapuze hatte sie tief ins Gesicht gezogen. Sie tauschte einen wissenden Blick mit den Soldaten an der Tür und trat zur Zelle. "Ihr Zwei da! Ich werde mich kurz halten müssen: Man hat mir aufgetragen euch zu befreien - im Gegenzug müsst ihr das tun was ich sage, versteht ihr? Akali hat mich geschickt und eure Fragen werde ich später beantwortet. Na los." Ihr harter Tonfall gaben Fenris und Mendra zu verstehen, dass sie es ernst meinte.
Ohne eine Reaktion von ihren Gegenübern abzuwarten, schloss sie die Zellentür auf und winkte die Soldaten zu sich. Diese drückten Fenris und Mendra je ein paar Schuhe in die Hand.

Verwundert betrachtete Riven die Schuhe. Sie waren weiß, aus einem pelzigen Stoff, außerdem leuchteten sie magisch im Licht der Fackeln, aber färbten sich hingegen grau im Dunkeln.
"Damit seid ihr schneller und leiser.", erwähnte die Frau beiläufig. Dann wurde ihnen noch einen grau-schwarzen Umhang übergeben. Riven zog sich die Kapuze über. Aus einem unbekannten Grund gab ihr der Umhang eine gewisse Geborgenheit. Bereit, ich bin bereit! Lass uns gehen! Riven verspürte einen unbändigen Drang. Sie wunderte sich, wie sie es so lange hier ausgehalten hatte, ohne verrückt zu werden. Endlich verließen sie das Gefängnis.
Mit abschätzenden Blicken schaute Riven zu den Soldaten im Türrahmen auf, als sie den Raum mit Fenris und "der verhüllten Frau" verließ. Die Gesichter der Recken waren wie in Stein gemeißelt - kalt, gefühlslos und starr. Dann betrat Riven die Flur vor dem Gefängnisraum.
Ärgerlich bemerkte sie, dass sie nicht ein Stück weit Ahnung hatte, wo genau sie sich befanden. Erst nimmt Akali uns gefangen und verbindet uns beim Eintritt in die Feste die Augen, dann lässt sie uns befreien und erwartet, dass wir die Flucht überleben ohne erwischt zu werden, dachte sich Riven gallig.

Part 4 - Schatten in der Nacht

Die Soldaten blieben zurück und die kleine Gruppe suchte sich einen Weg durch den Gefängniskomplex - die Unbekannte vorneweg, darauf Riven und Fenris. Sie folgten vielen Gängen, Treppen und Tunneln und durchquerten Kammern, Abstellräume und Zimmer bis sie schließlich eine Hintertür aus dem Gebäude fanden. Währenddessen kamen Riven viele Fragen auf: Wo sind die ganzen Bediensteten und Wachen? Wer war diese Frau? Was hat sie mit Akali zu tun? Können wir ihr vertrauen? Die letzte Frage, die ihr in den Sinn kam, war die wichtigste: Werden wir es schaffen?
Im Schutze der Dunkelheit huschten die drei Gestalten zwischen den Wachhäusern, Zelten und Waffenkammern hindurch. Es war erschreckend leise, nur eine leichte Brise trieb ein paar Wolken gelangweilt am Nachthimmel vor sich her und die ionischen Fahnen auf den Mauern bewegten sich sacht, aber trotzdem spürte Fenris wie sich seine Härchen aufstellten und er gehetzte Blicke hinter sich warf.
Gerade als sie das unbewachte Tor der inneren Mauer durchquerten, vernahm Fenris laute Stimmen. Mit einer reflexartigen Bewegung warfen sich er und Mendra in die nächste Gasse, während hingegen die Unbekannte mit großzügigen Schritten auf zwei ionische Soldaten zulief.

Tensil war gerade dabei, die überaus betrunkene, dicke und lebhafte Bäckersfrau mit Herro zu verkuppeln, als die Beiden ein dringender Befehl erreichte: Alle Wachen der inneren und die Hälfte der äußeren Festungsmauer, sollten sich für eine kurze Zeit in der Gefängnishalle sammeln und dort weitere Befehle abwarten.
Schleunigst begaben sie sich auf den Weg. "Wieso hast du das getan Tensil? Bist du verrückt? Sie glaubt ernsthaft, dass ich was von ihr will!", beklagte sich Herro, aber mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen. Tensil gackerte leise vor sich hin. "Wieso nicht? Ihr wärt das perfekte Traumpaar, ehrlich!" Und mit einem lauten Lacher fügte er hinzu: "Ich hab ihr gesagt, dass du ihre Brötchen vernaschen willst. Genial, oder?" Herro verzog erst angewidert seine Mundwinkel, stimmte aber dann in das Gelächter ein, stieß Tensil leicht zur Seite und bemerkte kopfschüttelnd: "Du bist echt ein Trottel. Das gibt Rache, da schwör ich dir!" "Da wär ich mir nicht so ..." Tensil lies den Satz unvollendet stehen, als eine verhüllte Gestalt, auf die Beiden zutrat und fragte stirnrunzelnd: "Was hast du hier zu suchen?" Mit drohenden Schritten und gezogenem Schwert näherte er sich dem Unbekanntem.
Nur den Wachen und vorrübergehend stationierten Soldaten war es befugt, sich nachts hier aufzuhalten. Zudem war diese Person verhüllt und sah nicht sehr vertrauenswürdig aus. Nervös brummte Tensil: "Wer bist du! Antworte, sonst muss ..."
Doch auf einmal schlug der Unbekannte seine Kapuze zurück und eine blonde Haarflut ergoss sich auf seine Schultern. Erschrocken zog Herro die Luft ein und Tensil trat zurück. Es war eine Frau. Nicht einfach nur "eine Frau", sondern eine berühmte Frau. Eine Kriegsheldin - Ein Championesse Ioniens!
„Irel … Irelia! Es ist uns eine Ehre! Es … es tut uns leid, wir wussten nicht ...!“ Beide sanken ehrfurchtsvoll auf die Knie. Huldvoll winkte Irelia ab, aber zupfte dann nervös an ihrem Umhang herum.
Fenris hörte wie Mendra scharf die Luft einzog. Anscheinend wusste sie, wer Irelia ist. Wer zum Henker ist Irelia? Wieso kennen sie diese Frau, fragte sich Fenris, der sich ein wenig dumm vorkam.
„Was führt euch zu uns?“, fragte Herro Irelia in einem unterwürfigen Ton. „Oh, wisst ihr …“, begann Irelia, als sie ihre Hände hinter dem Rücken verschwinden ließ, um so Mendra und Fenris ein Zeichen zur Flucht zu geben.

Die Beiden kehrten der Szenerie den Rücken und wendeten sich einer anderen Gasse zu. Mendra lief voraus, zielgerichtet wie immer, bemerkte Fenris bestimmt schon zum fünften Mal. In allem was sie tat, war Mendra zielstrebig und entschlossen. Nachdem sie etliche Gassen, Wege, Vorratsscheunen und eine größere, gepflasterte Straße überquert hatten näherten sie sich allmählich dem äußeren Festungsring. Auf einmal blieb Mendra ruckartig stehen, so dass Fenris fast über sie gestolpert wäre. „Was ist denn …“, wollte Fenris neugierig fragen, als er unterbrochen wurde. Sie legte ihm ihren Zeigefinger auf den Mund und bedeutete ihm leise zu sein. Dann hörte auch er Stimmen.
Fenris und Mendra befanden sich hinter einer Häuserecke. Davor standen zwei Wachen, die sich unterhielten. Sie versperrten den Weg zur nächsten Gasse und einem kleinem, vergittertem Tor, welches aus der Festung heraus führte. So kurz vor dem Ziel scheitern wir, dachte sich Fenris verzagt. Er zupfte Mendra am Ärmel und schüttelte den Kopf. Aus irgendeinem Grund wusste er, was in ihrem Kopf vorging. Doch sie bemerkte ihn nicht. Es war zu spät.


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xKnusp3rx

Senior Member

29-12-2012

Wie so oft vor einem Kampf bündelte Riven ihre Gedanken auf das Bevorstehende und in ihrem Kopf stellte sich ein leichtes Summen ein. Zwei leichtbewaffnete Wachen, nur mit einem leichten Harnisch am Oberkörper ausgerüstet und unvorbereitet. Fieberhaft sann sie auf einen Plan. Dann entdeckte sie ein Brett, welches gegenüber von ihr an der Holzwand stand. Das müsste reichen, dachte sie sich und setzte ihre Gedanken in die Tat um.
Sie zählte rückwärts von Drei runter und warf einen letzten Blick auf Fenris, welcher heftig den Kopf schüttelte. Drei, Zwei, Eins, Null. Sie nahm Schwung, drehte sich aus der Ecke heraus, visierte den ungeschützten Hinterkopf der näherstehenden Wache an. Mit einem hölzernen Knacken zerbrach das Brett am Kopf und die Wache stolperte ein wenig nach vorne. Doch er kippte nicht wie erwartet um, sondern drehte sich zu Riven um. Er hatte ein breites Grinsen auf dem Mund, dadurch kamen seine faulen Zähne zum Vorschein. Verblüfft schaute Riven erst den Rest des zerbrochenen Bretts an, welcher sie fest in den Händen hielt, dann in das Gesicht der lächelnden Wache.
Diese klopfte mit seinem Zeigefinger gegen seinen Hinterkopf, was ein metallisches Geräusch verursachte, und bemerkte höhnisch: „Meine Schädeldecke hat‘s bei einem Gefecht weggerissen. Man hat mir kurzerhand eine Eisenplatte eingesetzt. Außerdem hat dein Schatten dich verraten. Meinst du, der alte Obreg lässt sich so einfach übers Ohr hauen?“ Lachend zog er sein Kleinschwert und fügte noch hinzu: „Und, dass auch noch von einer Frau?“ Die andere Wache zog ebenfalls sein Schwert und die beiden traten auf Riven zu.

Riven ging ein Schritt, dann zwei Schritte zurück, doch als sie mit dem Rücken gegen eine Häuserwand stieß, weiteten sich ihre Augen. Das ist ihr Ende, erkannte sie. Fenris hatte es vorausgesehen.
Fenris!
Mit einem riesigen Satz sprang Besagter aus dem Schatten der Gasse auf die zwei verdatterten Wachen und riss sie zu Boden. Riven nutzte den Moment der Verwirrung und entriss dem Eisenkopfmann das Kurzschwert, um es ihn dann sogleich an die Kehle zu setzen.
Auch Fenris hatte der anderen Wache die Waffe gestohlen und setzte sie ihm drohend an die Brust. Mit einem gewissen spöttischem Unterton zischte sie ihrem Peiniger ins Gesicht: „Der alte Obreg hat sich gerade von einer Frau übers Ohr hauen lassen … na los, mach uns das Tor da vorne auf und euer jämmerliches Leben wird verschont. Ein Ton und ich schlitz euch die Kehlen auf.“ Dem alten Obreg schien sein Herz in die Hose gerutscht zu sein, denn er nickte kleinlaut und hampelte unsicher - die Schwertspitze am Nacken - zum Tor.
Fenris pochte das Herz bis zum Halse. Gleich hätten sie es geschafft. Dann könnten sie im Schutze der Nacht dieser verdammten Festung entfliehen. Wie es danach weitergeht, wüsste er noch nicht, allerdings fragte er sich, was mit Irelia geschehen war. Vielleicht kam sie nach, vielleicht wartete sie draußen oder sie wurde aufgehalten. Auf einmal bemerkte er, dass die vordere Wache stehen blieb und verräterisch an dem Schlüsselbund herumspielte. Was machte er da?

„Weiterlaufen. Da vorne das Tor aufschließen. Na los, lauf!“, herrschte Riven Obreg an.
Doch er blieb stehen und stieß einen gellenden Hilfeschrei aus. Kurzerhand schlug Riven ihm mit dem Schwertknauf in den Rücken. Obregs Schrei erstickte und er kippte stöhnend zu Boden. „Verdammter *******!“, fluchte Riven, entriss Obreg den Schlüssel und warf ihn Fenris zu, welcher die andere Wache ebenfalls zu Boden geschlagen hatte. Geschickt fing Fenris den Schlüssel auf und eilte zum Tor. Hastig fingerte er am Bund herum, probierte einen Schlüssel nach dem anderen, aber keiner schien zu passen.
Verzweifelt bemerkte er: „Keiner passt, welcher Schlüssel ist es?“
Riven runzelte die Stirn und drückte dem am bodenliegenden Obreg die Knie zwischen die Schulterblätter. „Welcher Schlüssel ist für das Tor?“, zischte sie. „Das wird ich euch ganz bestimmt nicht sagen!“, flüsterte Obreg gepresst. Plötzlich jauchzte Fenris auf und Riven hörte wie der Schlüssel ins Schloss fuhr und das Tor knarzend aufschwang. „Töte sie!“, rief Fenris, als er schon mit halben Fuß aus dem Tor hinaus war.

Erschüttert schaute Riven Fenris in die Augen. Auf einmal schien die Welt stehen zu bleiben. Vor ihren Augen sah sie die Gesichter von Toten ionischen und demacischen Soldaten, welche im Dreck des Schlachtfeldes lagen. Ihr Leben war von Riven ausgelöscht worden. Die Augen schauten starr in den Himmel, die Münder waren aufgerissen. Unter Schmerzen und Ängsten waren sie gestorben, hatten die letzten Gedanken ihren Familien, ihren Ehefrauen und Kindern, ihren Kameraden und ihrer eigenen Kindheit gewidmet. Durchlebten die glücklichsten Momente ihres Lebens noch ein letztes Mal. Und kamen zum Schluss, dass es ungerecht war. Sie fragten sich, wieso sie gerade hier sterben müssen. Erschüttert erkannten sie, dass sie ihre letzten Atemzüge taten, dass der gierige Gedanke an Leben sie verließ und schlussendlich, dass sie starben und es ihnen schwarz vor Augen wurde und alle Kräfte sich in Luft auflösten. Sie hatten das Leben vollends ausgehaucht.

Und das war Rivens Schuld. Sie wollte nicht mehr töten. Sie würde auch Obreg nicht töten. Fenris riss sie aus ihren Gedanken. „Mendra!“
Sie schüttelte kurz den Kopf. „Ich werde sie nicht töten.“, sagte sie ruhig. „Was? Wenn du sie jetzt verschonst, dann werden sie uns töten!", protestierte Fenris mit sichtlichem Bedenken. "Nein. Ich ... Lass uns gehen, vertrau mir, ja?" Er atmete hörbar aus und antwortete ruhig: "Ich vertraue dir, Mendra." Diese nickte. "Na gut, wie du meinst. Machen wir die Fliege, ich hab schon Stimmen gehört! Wir sind nicht alleine, schnell!“, erwiderte Fenris hastig. Riven nickte heftiger, mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck. Die Beiden rannten schleunigst durch das Tor hinaus.
Nie hätte Fenris gedacht, dass er so schnell rennen kann. Die seltsamen Schuhe, die er von Irelia bekommen hatte, verliehen ihm Kraft und Schnelligkeit. Zufrieden atmete er die neu gewonnene Freiheit ein und nahm sie in sich auf.

Als sie außer Sichtweite der Burgmauern und ein kleines Waldstück erreicht haben, wurden sie langsamer und schließlich hielten sie an. Beide waren ganz außer Atem und stützten sich an einem Baumstumpf ab. Ein Lächeln breitete sich auf Fenris Lippen aus und er schaute zu Mendra hinüber. Auch sie lächelte, begann dann zu leise zu Lachen. Es war ein frohes Lachen. Fenris erinnerte sich nicht daran, dass Mendra je gelacht hätte, aber auf eine seltsame Weise war er nicht verwundert.
Er stimmte in das Lachen ein und beide fielen sich in die Arme. Eine gigantische Last schien von seinen Schultern abzufallen. „Ich bin so froh, dass wir es geschafft haben. Und so froh, dich an meiner Seite zu haben.“, flüsterte Fenris. Er genoss diesen Moment. Aber Mendra verspannte sich daraufhin und ließ Fenris los. „Ich bin auch froh …“, sagte sie, aber das glückliche Lächeln war verschwunden. Sie hatte nicht gesagt worüber sie froh ist, bemerkte Fenris.
Die Beiden verschnauften noch ein paar Atemzüge. Allmählich begann ein neuer Tag, die ersten Sonnenstrahlen schafften es den allmorgendlichen Dunst zu durchbrechen und ein Heer von zwitschernden Vogelstimmen erfüllte den Wald. Die Tautropfen auf den grünen, saftigen Grashalmen, das Plätschern eines kleinen, nahgelegenen Bachs, die frische und gereinigte Luft, die warme Sonne auf ihrer Haut - Riven bemerkte zum ersten Mal, wie schön Ioniens Natur wirklich war.
Es kam ihr wie eine halbe Ewigkeit vor, bis sie sich von den Eindrücken losreißen konnte und kritisch bemerkte: "Lass uns weiter. Ich schätze mal, sie werden uns nicht einfach so laufen lassen. Wir sind es ja inzwischen gewöhnt, verfolgt zu werden ...", es sollte belustigend klingen, aber Riven schaffte es nicht ganz ihren Sarkasmus zu verbergen. Fenris stimme ihr zu und die Beiden verschwanden im Dickicht.
Als sie der Meinung waren weit genug in den Wald hineingelaufen zu sein, machten sie eine kleine Rast. „Was wirst du jetzt tun, Fenris?“, fragte Riven in die Stille hinein, die sich gebildet hatte, während es sich beide gemütlich gemacht haben. „Ich weiß es nicht.“, antwortete er gedankenverloren. Dann fügte er nach einer kurzen Pause hinzu: „Ich bin mir nicht sicher. Ich würde so gerne wieder nach Hause. Nach Freljord. Zu meiner Familie. Meine Heimat.“ Träumerisch verschränkte er die Arme hinter seinem Nacken und beobachtete die Wolken. Er hatte sie so lange nicht mehr gesehen. Für Riven war der Begriff „Familie“ und „Heimat“ fremd. Sie lächelte, als sie seine funkelnden, blauen Augen sah. „Du wirkst immer so fortgerissen, wenn du von Freljord redest. Als wäre es dein ein und alles.“, sagte sie spöttisch. „Natürlich. Meine Heimat und meine Familie bedeutet mir alles. So ziemlich alles. Was ist mit deiner Heimat?“, entgegnete er. „Meine Heimat? Ich hatte nie eine Heimat oder eine Familie. Geboren im Schlamm des Armenviertels von Noxus, aufgezogen von meinem Vater und ausgebildet in den Fängen Noxus. Mein Vater war einmal ein noxischer Soldat, aber er wurde aus dem Soldatendienst quittiert, als ihn eine demacische Kanone ein Bein weggerissen hatte. Doch er lehrte mich auch in den Grundlagen des Kämpfens. Eines Nachts jedoch verschwand meine Mutter spurlos. Danach ging alles den Berg hinab – wir waren nie reich, aber ab da an, wurde alles noch schlimmer. Mit acht Jahren bin ich von Zuhause geflüchtet.“ Sie erinnerte sich noch genau. Manches vergisst man nie in seinem Leben.

„Ich spielte vor unserer Baracke mit meinem Schwert gegen imaginäre Gegner, vollführte Drehungen und Angriffe und spielte mit dem Gewicht des Schwerts in meinen Händen. Es machte Spaß. Während andere Mädchen in meinem Alter noch mit Holzpuppen spielen, spielte ich mit Breitschwertern, Langschwertern, Bögen, Messern und Dolchen. Auf einmal beobachtete ich wie eine Frau in unsere Baracke hineinging ohne mich auch nur zu beachten. Wahrscheinlich wollte sie mich auch gar nicht sehen. Denn diese Frau war eine der Huren, die mein Vater tagtäglich zu sich einlud. Doch irgendetwas beunruhigte mich – ich hörte nicht das erwartete Gestöhne sondern wütendes Geschreie. Auf einmal polterte es und dann kehrte Stille ein. Ich ließ das Schwert fallen und betrat die Baracke. Die Situation, dir mir geboten wurde – dieses Bild – werde ich nie vergessen. Mein Vater klammerte sich mit einem bluttriefenden Messer in der einen Hand und einer Rumflasche in der anderen Hand an einem Türrahmen. Er schwankte bedenklich. Die Frau lag tot auf dem Boden zwischen mir und meinem Vater. Ihre Augen waren weit aufgerissen, die Kehle aufgeschlitzt. Sie war nackt. Das zerrissene Kleid lag neben ihr. „Was …“, flüsterte ich erschüttert. Mein Vater kniff die Augen zusammen, leerte seine Rumflasche und ließ sie fallen. „Was was? Was schaust du so, Mädel?“, lallte er und machte einen Schritt auf mich zu. Ich trat ein paar Schritte zurück. Ich erkannte meinen Vater nicht mehr – was hatte der Alkohol nur aus dir gemacht? „Was hast du getan? DU hast sie umgebracht!“, schrie ich und zeigte mit zitterndem Zeigefinger auf ihn. Er schaute die Leiche nochmals an, dann schaute er mir tief in die Augen und erwiderte: „Das wirst du auch keinem Sagen, sonst muss ich dich auch noch umbringen.“ „Mich umbringen. Vater, was ist mit dir los? Ich … du bist nicht … Hör auf! Ich bin deine Tochter!“, kreischte ich wütend. Dann erkannte ich das verrückte Funkeln in seinen Augen. „Welche Tochter? Welcher Vater? Geh weg, kleines Mädchen.“, grölte er, fuchtelte mit dem Messer in der Luft herum und schlug der Länge nach hin, betrunken und unfähig wieder aufzustehen. Daraufhin wusste ich, dass ich nicht mehr sicher vor ihm war, bin ich voller Angst um mein eigenes Leben und voller Enttäuschung in meinem Vater von Zuhause weggerannt. Ich war so alleine. Hab zwischen Tierkadavern und verfallenen Holzhütten gelebt.“, erzählte Riven leise.
Sie redete nur noch vor sich – versunken in Gedanken und Erinnerungen. Wahrscheinlich merkt, sie nicht einmal, dass sie noch einen Zuhörer hat, dachte sich Fenris. Schließlich riss er sie aus ihren Erinnerungen indem er fragte: „Und dann?“ Sie fuhr auf und schaute ihn verwirrt an. „Und dann? Und dann! Ich … nun ja, der Rest ist Geschichte.“ Mit einem heftigen Stich in den Magen wurde ihr plötzlich bewusst, was sie da ausgeplaudert hatte. Weiß er jetzt, dass ich Riven bin? Unsicher schaute sie ihm in die Augen und versuchte seinen Gesichtsausdruck zu deuten. Es sah nicht sehr verdächtig aus.
„Was meinst du Mendra? Was ist mit Irelia? Wird sie noch kommen?“, fragte er nach einer langen Pause. Riven schüttelte den Kopf. „Ich glaube nicht. Wir müssen bald weiter. Auch wenn sie uns zur Flucht verholfen hat und sie gesagt hat, dass sie uns unsere Fragen beantworten wird, …“ „… können wir ihr nicht trauen.", beendete Irelia, die das Gespräch mit verfolgt hatte, den Satz. Sie trat aus dem Schatten des Dickichts hervor und fügte ahnungsvoll hinzu: "Hab ich recht?"
Das kam so überraschend, dass Riven und Fenris die Worte im Hals stecken blieben. "Ihr habt guten Grund, misstrauisch zu sein. Lasst mich erklären, wieso ich euch geholfen habe, wieso mich Akali geschickt hatte und wieso ihr mir euer Vertrauen geben müsst."
Erwartungsvoll verschränkte Riven ihre Arme vor der Brust und bemerkte bissig: "Aber beeil dich - deine ionischen Laufhunde werden bald hier aufkreuzen."
Irelia erwiderte: "Setzt euch, bitte. Und nein, keiner meiner Laufhunde wird hier aufkreuzen - eure Flucht wird unbemerkt bleiben. Manche von den Wachen da drin" Sie zeigte vage Richtung Festung. "Verehren mich wie eine Gottheit - und die, die es nicht tun, lassen sich kaufen und manipulieren."
Mit einem Nicken nahm Riven gegenüber von Irelia im Gras Platz, dann setzte sich auch Fenris langsam hin.
"Also, Akali schickte mich, da sie unabkömmlich war und mit weitaus wichtigeren Dingen beschäftigt war. Sie sieht in euch weit mehr als nur zwei noxischen Soldaten. Was sie in euch sieht, hat sie mir allerdings nicht verraten. Sie trug mir nur folgendes auf: Du sollst Vergangenes ruhen lassen, aber dafür sorgen, dass du aus deinen Fehlern lernst. Auch sollst du nicht an dir und anderen Menschen zweifeln, sondern versuchen die Sache, an die du glaubst oder geglaubt hast, deinen Mitmenschen näherzubringen. Stärke bringt Gleichgewicht. - Das sollte ich dir sagen." Irelia erforschte interessiert Mendras Gesicht, aber diese zeigte keine Emotionen. Zumindest konnte Irelia keine erkennen. Akali hatte ihr schonmal vorgeworfen, dass sie nicht in der Lage sei, aus den Gefühlen anderen zu lesen. Vielleicht stimmte das sogar. Sie fuhr fort: "Daraufhin bin ich aufgebrochen, bin inkognito in Jagneto eingetroffen und habe Vorbereitungen zu eurer Flucht getroffen. Wachen bestochen, dem Gefängnisdirektor befohlen, dass mehr als die Hälfte der Wachen sich beim Posten melden sollen - den Grund habe ich nicht genannt, ich hab veranlasst, dass viel Wein und leichte Mädchen bereitsteht. Den Rest kannst du dir denken ..."In Rivens Ohren klang das im Grunde plausibel.
"Nun habe ich eine Frage an dich - eine Frage und eine Überraschung, aber zuerst musst du mir folgendes beantworten: ..." Riven verstand nicht, worauf Irelia hinauswollte, sie legte ihre Stirn in Falten. Irelias Stimme hatte einen seltsamen Ton angenommen, als sie fortfuhr: "Akali hatte mir erzählt, dass er" Sie schaute zu Fenris. "dich immerzu Mendra nennt. Ist das ein Spitzname?" Rivens Augen weiteten sich und sie zog scharf die Luft ein.
"Also, also, er ... das tut nichts zur Sache. Was ist die Überraschung?", antworte Riven ausweichend, nervös in Irelias Augen blickend.
"Sie sagte, dass ich sie Mendra nennen soll.", eröffnete Fenris Irelia.
"Wieso nennst du sie denn nicht beim richtigen Namen?", fragte Irelia neugierig. „Ich dachte, Mendra sei ihr richtiger Name.“, erwiderte Fenris vorwurfsvoll an Riven gewand. Irelia stand wortlos auf, ging ein paar Schritte zurück und hob einen großen Gegenstand auf. Mit langsamen Schritten trat sie auf Riven zu. Dann, mit einer raschen Bewegung, zauberte sie das zerbrochene Schwert hervor. "Das hier müsste euch bekannt sein, oder?“ Riven seufzte. Jetzt war es raus, sie konnte es nicht mehr verheimlichen. Mit hängenden Schultern drehte sie sich zu Fenris und wollte gerade mit Reden anfangen, als er einen Finger auf ihre Lippen hielt und gestand: „Schh ist schon gut. Ich weiß, was jetzt kommt. Du bist Riven.“ Besagte riss verdattert die Augen und ihren Mund auf. „Aber, aber, aber … du!“, stotterte sie vollends aus der Fassung. „Ich hab es von Anfang an befürchtet. Das Schwert, das du bei dir trugst, sah Rivens Schwert verdammt ähnlich. Und meine Befürchtungen haben sich vorhin bestätigt, als du mir die Geschichte von deinem Vater erzählt hast. Es ist mir eine Ehre.“
„Du bist mir nicht böse?“, fragte sie stutzig. Fenris schüttelte den Kopf. Er war mehr amüsiert als beleidigt, dass Riven ihn die ganze Zeit angelogen hatte.

Die Drei redeten noch eine Weile. Über das, was war, ist und sein wird. Die Sonne nahm ihren Lauf am Himmel und so nahm auch das Gespräch sein Lauf, bis die Sonne dann unterging.
Irelia hatte ihnen gestanden, dass sie sich vor dem Treffen gefürchtet hatte – befürchtet hatte, dass man ihr nicht glaubt. Fenris Entschluss nach Freljord zu Reisen war nun felsenfest und er wolle sich gleich auf den Weg machen. Doch konnte sich nur schweren Herzens von Riven trennen – das allerdings sagte er nicht. In all ihren Unzugänglichkeiten und schroffen Bemerkungen, hatte sie Fenris herausgefordert. Und das war er hinter ihrem Panzer versteckte, die gefühlsvolle, zuhörende, traurige Riven, gefiel Fenris sehr. Es weckte den Beschützerinstinkt in ihm. Riven gestand offen ein, dass sie nicht wirklich wüsste, wohin sie gehen wolle. Aber es war ihr egal – sie sagte, es tue ihr gut, nicht zu wissen wohin die Reise gehen wird. Wie ein Blatt im Wind. Frei von Zwängen, frei vom Irrglauben, bereit den wahren, reinen Geist Noxus zu verbreiten. Dieser Gedanke hegte sie schon seit langem. „Jeder sollte einem Ideal folgen, dem er vertrauen kann und notfalls sollte man es auch verteidigen und ebenso an Unwissende weitergeben.“ Hatte Akali gesagt. Es war nur allzu wahr.

Dann war es so weit. Die Gruppe trennte sich. Mit Tränen in den Augen umarmten sich Riven und Fenris. Die Zeit zusammen war schön – unter gegeben Umständen. Irelia verabschiedete sich ebenfalls und sagte, dass sie immer auf ihre Hilfe zählen könnte und dass sie ungestört abreisen könnten. Fenris und Riven sollten sich eine lange Zeit nicht mehr sehen.


[Kapitel 2] Abenteuer

Part 1 - Auf hoher See

"... ein unvorstellbarer Sturm. Dann brach der Hauptmast. Ich hätte es nicht mal gemerkt, denn die Nacht war tiefschwarz und wurde nur von einzelnen Blitzen erhellt und die Wellen, die gegen die Bordwand rollten, veranstalteten ein gewaltiges Getöse. Der Mast wurde einfach umgeknickt. Einfach ..." Um es zu veranschaulichen, zerbrach er ein Streichholz. "... so. Dann am nächsten Morgen entkamen wir dem Sturm und wir ließen die Sturmwolken hinter uns. Ich kam aus meiner Kajüte, als ich merkte, dass etwas nicht stimmte. Bei Namis Schwanzflosse, dachte ich mir nur. Das Wasser hatte sich in eine schwarze Brühe verwandelt und die Luft war nicht mehr salzig sondern hatte eine schleimige Konsistenz." Er spuckte über Bord und zog an seiner Pfeife. "Ich hatte schon vieles gesehen, aber das übertraf alles Vorherige. Wisst ihr, was die Schatteninseln sind?" "Aye.", murmelten einige der Zuhörer. Der Käpt’n verengte grimmig seine Augen, nahm einen tiefen Zug an seiner Pfeife und senkte die Stimme: "Ich hatte sie schon gesehen, damals, als ich noch für Noxus auf die See gefahren bin. Und mein erster Skipper hatte sie schon betreten, zusammen mit einer Frau namens Elise. Ich hab weder sie noch ihn jemals wieder gesehen. Auf jeden Fall hatte ich beim Anblick der Schatteninseln genauso ein dreckiges Gefühl wie beim Anblick der schwarzen Brühe. Einer der Matrosen wollte schauen was das ist, zog den Taucheranzug an und sprang über Bord - gegen meine Anordnungen. Ihr werdet es mir nicht glauben, aber diese Scheiß Brühe hat ihn so schnell in die Tiefe gezogen, als wäre ein Schiffsanker an seinen Füßen befestigt. Daraufhin nahmen wir Kurs gen Heimat." Fenris erkundete sich verunsichert, was mit dem Matrosen geschehen war. "Ersoffen.", entgegnete der Käpt’n und gluckste in seinen roten Bart.
Fenris zog unbehaglich seine Schultern hoch. Der Käpt’n hatte ein paar wirklich gruselige Geschichten auf Lager. Käpt’n Rotbart wurde er auch genannt. Er hatte schon im Auftrag von Noxus, Demacia und Ionien die Meere von Runeterra besegelt. Keiner kannte die See so gut wie er. Falls der eher griesgrämige und zurückgezogene Rotbart mal redselig war und einer seiner berühmten Geschichten zum Besten gab, hingen ihm alle an den Lippen. So war es auch diesmal gewesen. Anschließend zog der Käpt’n sich in seine Kajüte zurück, die Mannschaft zerstreute sich und Fenris blieb zurück - er stützte sich auf die Reling und schaute aufs Meer hinaus. Wie schön und düstern doch das Meer war. Die Sonnenstrahlen der untergehenden Sonne glitzernden auf den sachten Wellen und trotzdem sah Fenris das bedrohliche in den scheinbar unendlichen schwarz-blauen Tiefen der See. Was da unten wohl alles lauert, fragte sich Fenris angsterfüllt. Er wollte es lieber nicht wissen.

Vor drei Tagen hatte sich Fenris an Deck des "Wellenwolf" begeben. Gegen eine Bezahlung nahm ihn Käpt’n Rotbart mit ein paar anderen Passagieren mit auf den Kontinent Valoran. Von Ionien über die See nach Valoran und zurück in die Heimat nach Freljord. So war der Plan.
Nachdem er vor etwa zwei Wochen von Riven vom Schlachtfeld getragen wurde, dann in die Hände der ionischen Heldin Akali geraten war und einem anschließenden Ausbruch aus einer riesigen Gefängnisfestung mithilfe von Irelia gelungen war, wurde ihm bewusst, was er wirklich wollte. Er wollte nach Hause. Er hatte sich von Riven getrennt und ging seine eigenen Wege. Was sie wohl gerade macht, fragte sich Fenris verträumt.

Wie es der Zufall wollte, lehnte sich Riven gerade ebenfalls über Reling und schaute aufs Meer hinaus. Doch sie dachte nicht an Fenris, zumindest nicht in diesem Moment. Sie genoss den Ausblick, der ihr geboten wurde. Am Horizont machte sie Silhouetten einer Inselgruppe aus, welche in einem weißen Dunst lagen. Die Wellen brachen sich an der Bordwand und sacht schaukelte das Schiff vor sich hin. Die Schaumkronen glitzerten magisch im Sonnenlicht. Die Segel wurden durch das laue Lüftchen nur leicht aufgeplustert und so kamen sie nur langsam voran. Ein wahrlich friedlicher Moment, befand Riven zufrieden.

Friedlich war auch der Weg, den sie auf dieses Schiff geführt hatte. Nachdem sie sich von Fenris verabschiedet hatte, folgte sie Irelia in den Norden. Das Land wurde hügeliger und markanter. Dann erreichten sie die "Heiligen Berge von Ionien" - so wurde dieses zerklüftete, bewaldete Gebirge von den Bewohnern dieser Region genannt. Alsbald hatten sie das Placidium erreicht, die Hauptstadt von Ionien. Es war ein majestätisches Panorama, das Riven zu Füßen lag. Endlos lange Treppen zwischen großräumigen, bunten Tempelanlagen, Regierungsgebäuden, Denkmälern, Statuen und Plätzen, wanden sich an den Außenhänge des Tales entlang und gingen dann in breite Steinstraßen über, welche die Gebäude des Tales miteinander vernetzten. Im Talbereich konnte Riven viele Wohnhäuser, Werkstätten, Akademien, Fabriken und Restaurants erahnen. In der Mitte des Tals suchte sich ein breiter Fluss gemächlich seinen weiteren Weg durch das Tal in das Gebirge hinein. An dessen Ufer drängten sich Fischershütten, Bootsmacher, Häuser, die mit Stelzen ihren Stand im Flussboden suchten und über das Ufer erstreckten sich zahllose Brücken. Das Placidium sah so ganz anders aus, wie Noxus-Stadt. Sie hatte im Gegensatz zu Rivens Heimat keine hohen Häuser, sondern erstreckte sich über eine gigantische Fläche und füllte das Tal vollständig aus. Außerdem konnte Riven keine Stadtmauer erkennen. Bei längerem Hinsehen konnte Riven allerdings anderweitige Verteidigungsanlagen sichten. Die Stadt war umgeben von zahllos vielen kleinen Festungen und Türmen, die meist an bewaldeten Hängen nur schwer auszumachen waren. Anscheinend bestaunte Riven sehr lange die Aussicht, denn Irelia fragte plötzlich ungeduldig: "Können wir weiter?" "Was? Oh. Ja natürlich.", erwiderte Riven verstreut.

Daraufhin schmunzelte Irelia vor sich hin, da sie das schon oft erlebt hatte, wenn fremde Leute, ihre Heimat zum ersten Mal erblickten. Hier wurde sie geboren, ausgebildet und hatte hier gekämpft, als vor Jahren noxische Truppen drohten das Placidium zu zerstören. Aber mit ihr und anderen Kämpferinnen wie Karma und Sona hatte sich ein Widerstand ungeahnten Ausmaßes gegen die noxischen Heere gebildet und die Truppen wurden vorerst zurückgeschlagen.

Riven erinnerte sich an die neuen Eindrücke und Erfahrungen. Auch wenn sie es erwartet hatte, wurden ihr keine feindseligen Gefühle entgegengebracht, obwohl jeder wusste, wer sie war und was sie getan hatte. Sie wurde wie ein Ehrengast behandelt, bekam gutes Essen und eine gute Unterkunft im Hause Irelias. Ihre Gastgeberin bewohnte einer der neueren, luxuriöseren Häuser am Talhang, denn Irelia war eine der führenden Personen Ioniens. Sie zeigte Riven auch ihren eigenen Trupp Soldaten und wie sie trainierten und ausgebildet wurden. Will sie mir drohen, will sich mich nur einlullen oder ist sie einfach nur nett, fragte sich Riven im Laufe des Rundgangs. Dann wurde Riven der obersten Generalin vorgestellt, nämlich Karma. Diese erzählte ihr viel vom ionischen Militär, teilte mit Riven ein paar Floskeln und Nettigkeiten aber machte eine Sache unmissverständlich klar: Falls Riven nach Noxus zurückkehren wollte, dann sollte sie wissen, dass Ionien auf weitere Angriffe Noxus gut vorbereitet war. Falls das nicht so sein sollte, dann sollte sie entweder für ihr restliches Leben hierbleiben oder gefälligst aus der Stadt verschwinden. Diese geheuchelte Gastfreundschaft nahm Riven ihr sehr übel und somit entschied sie sich für letzteres. Am nächsten Tag reiste sie ab und machte sich auf den Weg zur Küste. Dort angekommen wurde sie an Bord eines Transportschiffs der ionischen Flotte genommen und begab sich nun auf eine Schiffsreise mit ungeahnter Dramatik aber einem festen Ziel: Valoran.

Ein grauenvolles Stöhnen. Dann verzweifelte Worte: "Es tut so weh. Ich will nicht sterben."
"Hab Mitleid mit ihm, Hadon."
"Werde ich jetzt sterben?" Ein ionischer Soldat.
"Keine Angst, das wird schon wieder, das wird schon wieder."
"Oh bei den Göttern, mach das die Schmerzen aufhören."
"Die Hand auf die Wunde!"
"Ist das alles mein Blut?"
"Verdammt schau doch nicht hin."
"Aaaah, es tut so weh."
"Ich kann nichts tun ... ich brauchen einen Arzt. FELDARZT!"
"Geh nicht weg. Lass mich hier nicht allein sterben."
Ein glatzköpfiger Mann betrat die Szene.
Stoisch bemerkte er, nachdem er die Verletzungen des am Boden liegenden Verwundeten überprüft hatte: "Ich muss die Wunden schließen. Jeff ... JEFF?"
Ein kleiner Junge mit verweinten Augen und einer Kiste unter den Armen kam an gestolpert und rief verzweifelt: "Der da hinten spuckt Blut! Wir müssen ..." Er wurde von der ruhigen Stimme des Feldarztes unterbrochen: "Wir können nichts mehr für ihn tun. Akzeptier's! Gib mir Opium, Werkzeug, und einen Faden." Mit zitternden Händen kramte der Junge in der Holzkiste herum. Plötzlich erkannte Riven ihre eigene Stimme: "Spart euch die Mühe, Doktor. Lasst ihn liegen. Ich glaube kaum, dass der hier noch lange überleben wird um uns Lösegeld einzubringen." Für die ionischen Gefangenen bekam man gut Lösegeld von ihren Familien, wusste Riven.
"Aber er leidet große Schmerzen. Gib mir das Opium."
Riven schlug ihm das Opium aus den Händen und zischte: "Ich sagte, lasst ihn liegen. Habt ihr mich verstanden, Soldat? Oder muss ich euch der Befehlsverweigerung bezichtigen?"
"Nein. Habe schon verstanden."
"Dann ist ja gut! Dieser Ionier hat es verdient - lass ihn leiden, für das was er getan hat. Soldat? Doktor? Kommt mit mir. Ich möchte ..."
"Lasst mich nicht hier liegen! Oh verdammt, es tut so weh. Aaah. Bitte, Noxier." Als Antwort spuckte ihm Riven ins Gesicht und entgegnete: "Verreck an deinen Sünden, elendiger Ionier."
Das Gesicht des Ioniers verzog sich zu einer Fratze des Schmerzens. Tränen kullerten ihm die Backen hinab und stöhnend zuckte sein Körper vor der ungeheuren Qual.
Auf einmal wurde es schwarz. Riven hörte die Stimme des Ioniers. Er wiederholte wieder und wieder das selbe Wort: "Mörderin." Er wurde lauter und eindringlicher.
Riven fuhr mit einem Schrei aus dem Schlaf auf. Nur ein Albtraum, nichts weiter, redete sich Riven ein. Zitternd und schwitzend saß sie auf der Bettkante und starrte auf den Boden. Dann begab sie sich auf das Oberdeck um ein wenig frische Luft zu schnappen.


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xKnusp3rx

Senior Member

29-12-2012

Die salzige, frische Seeluft schlug ihr entgegen, als sie das Deck erreichte. Erleichert sog Riven sie ein. Das Transportschiff "Aquilla" war auf offenem Meer stehen geblieben, was recht ungewöhnlich war, denn meist legten Schiffe im Allgemeinen nur in Häfen an. Aber Riven wusste nichts über das Besegeln der Meere und so wunderte sie sich nur, als sie einen weiteren Nachtwandler am Bug der Aquilla entdeckte.
Er trug grüne Hosen, ein leichtes Hemd und seine Haare waren zu einem Zopf zusammen gebunden. Unsicher trat sie näher, als die Person sich umdrehte um den Neuankömmling zu begrüßen: "Oh, wusste ich doch, dass meine Ohren mich nicht trügen. Ich konnte nicht wiedereinschlafen, nachdem ich ... geträumt hatte. Leistet mir ein wenig Gesellschaft."
Verwundert bemerkte Riven, dass ihr Gegenüber eine Augenbinde trug. Wahrscheinlich blind, dachte sie sich.
Mit einem Nicken trat sie zu dem Fremden, lehnte sich neben ihm über die Reling und bestaunte den großen Mond, der wie ein Schäfer seine Herde von Sternen zusammenhielt. "Eine wirklich schöner Nachthimmel.", bemerkte Riven leichthin.
"Wenn du es so sagst. Es ist viel Zeit vergangen, nachdem ich die Sterne zuletzt gesehen hab.", antwortete er kurz angebunden. Schuldbewusst biss sich Riven auf die Zunge um nicht eine weitere dumme Bemerkung zu äußern. "Hattet ihr einen schlechten Traum und könnt deswegen nicht wieder einschlafen?", erkundigte sich Riven vorsichtig.
"Ob schlecht oder gut, kann ich nicht beurteilen. Es ist mehr eine eingebrannte Erinnerung in Form eines Traums, die mich oft nächtelang nicht schlafen lässt. Zumindest werde ich so vergangene Schandtaten nicht vergessen - also ist es in der Hinsicht sogar ein guter Traum.", entgegnete er gelassen.
Riven war überrascht - sie hatte mit einer Ausrede oder einer Gegenfrage gerechnet, aber nicht mit dieser durchaus ehrlichen Antwort. Außerdem musste sie instinktiv an ihren Traum denken. Vergangene Schandtaten. "Was auch immer in diesem Traum vorkam - es macht euch Angst?", hakte sie weiter interessiert nach. "Ich habe Angst, dass es sich wiederholen könnte, Angst vor meiner Schwäche." "Ist es eine geistige oder körperliche Schwäche?" "Eine durch und durch geistige Schwäche, die mir Tag ein Tag aus als Prüfung auferlegt wird und die ich zu bestehen und zu bekämpfen habe." "Erzähl mir mehr davon", forderte Riven den Mann auf. Ihr Gesprächspartner setzte zu einem Satz an, schüttelte aber dann den Kopf. "Was hat euch aus dem Schlaf gerissen?", erkundigte er sich. "Ein guter Traum ...", entgegnete Riven seufzend. Ihr Gegenüber verstand auf Anhieb und ließ das Thema ruhen.

Alsbald wünschte er Riven eine gute Nacht und ging wieder unter Deck. Sie blieb allein zurück und lauschte noch eine Weile dem Plätschern des Wassers und des Knarzen der Planken und des Mast.
Dann wollte sie sich auch wieder zu Bett begeben, als sie ein Geräusch aufhorchen ließ.

Überrascht blieb sie kurz vor der Decklucke stehen, horchte und hielt die Luft an. Auf einmal wieder dasselbe Geräusch: *Platsch*. Zögernd tapste sie Richtung Heck, doch das Knarzen der Holzbollen veranstaltete in Rivens Ohren einen wahnsinnigen Lärm. Als sie das Heck des Schiffes erreichte und sie sich über die Reling beugte, entdeckte sie die Quelle des Platschens. Es waren Ruder.
Und das dazugehörende Boot mitsamt einem Matrosen entfernte sich von der Aquilla und schien Kurs auf die Inselgruppe zu nehmen, von der Riven am Tage zuvor die Silhouette am Horizont entdeckt hatte. Der Bootsmann schien sie noch nicht gesehen zu haben und das war Riven auch Recht so. Sie ging in Deckung und beschloss umgehend dem Käpt’n davon zu berichten, denn die Tatsache, dass ein Matrose in einer Nacht-und-Nebel-Aktion alleine das Schiff verlässt, beunruhigte Riven.

Gesagt getan. Doch der Käpt’n war weder überrascht noch beunruhigt, denn der Matrose, so erklärte er gähnend, machte sich auf den Weg nach Bilgewasser, wo ein bewaffnetes Transportschiff der ionischen Flotte Anker geworfen hatte und nur auf eine Nachricht der Aquilla wartete um dem erwähntem Schiff Begleitschutz zu geben. "... also kein Grund zur Panik und vor allem kein Grund mich zu wecken. Ich wünsche ihnen eine gute Nacht.", schloss der Kapitän ab und ging wieder in die Falle. Wortwörtlich.

Riven jedoch konnte diese Nacht nicht wieder einschlafen. Ob es am nächtlichen Vorfall oder an dem Albtraum lag konnte sie nicht sagen. Das sollte sich aber bald darauf ändern, denn dank der Hilfe des Mannes mit dem Zopf - der übrigens Lee Sin hieß und Mönch war - plagten sie in den darauffolgenden Nächten keine schlechten Träume mehr, denn sie verbrachte viel Zeit mit ihm und diskutierte, redete und erzählte ihm von ihren Albträumen. Sie gab ihre Gedanken preis und redete offen über ihre Gefühle. Das war neu, das wusste sogar sie selbst. Eine neue, selbstbewusstere Riven. Schuld daran waren wohl die Gespräche und Erlebnisse mit Fenris.

So war es auch an diesem Nachmittag als Riven und Lee Sin am Bug des Schiffes saßen und den Matrosen bei ihrer Arbeit zuschauten. Lauter krumme Rücken, die sich Stück für Stück über das Deck schoben und die schmierigen Planken schrubbten. Gedankenverloren schaute Riven den Möwen zu, die schon seit Tagen über dem Schiff ihre Runden drehten, als sie sich erkundigte:
"Hast du Familie, Lee Sin?" "Jeder hat Familie. Die Brüder des Shojin-Klosters - auch wenn ich sie in verlassen habe bleiben sie die einzig wahre Familie, die ich je hatte. Wer steht dir am nächsten?" "Da fällt mir gerade nur eine Person ein. Aber auch sie habe ich verlassen. Mein Vater war gewalttätig und alkoholsüchtig - eine ziemlich gefährliche Kombination. Meine Mutter starb bei meiner Geburt. Was ist mit deinen Eltern?" "Ich hatte zwei kleinere Schwestern, Mutter und Vater. Sie leben im Placidium. Man könnte sagen, dass ich eine glückliche Kindheit hatte. Aaaaber ... nein, eigentlich kein aber. Eine unbeschwerte Kindheit."
Er öffnete den Mund um noch etwas zu sagen, unterließ es aber dann nach kurzem Überlegen. Diese Mimik war unverwechselbar Lee Sin, denn Riven hatte es schon oft beobachtet. Sie fragte sich schon seit längerem, was er ungesagt ließ, aber sie drängte ihn nicht mehr, denn sie selbst wusste, wie schmerzhaft die Vergangenheit manchmal sein konnte. "Erinnerst du dich noch an sie - ich mein, weißt du noch, wie sie aussehen?", hakte Riven nach. "Natürlich. Bestimmte Bilder deines Lebens vergisst du nie, da sie sich in dem Moment in dein Gedächtnis brennen. Wie Feuer. Ich habe dieses eine Bild im Kopf, bei dem wir eine Wanderung zu den Heiligen Bergen gemacht haben. Jeder Ionier muss das einmal in seinem Leben hinter sich bringen. Vom Bettler bis zum Kanzler."
"So eine Art Ritus?"
"Nein, eher eine Prüfung an deine Psyche und Physe. Es ist ein wirklich heiliger Ort - du spürst die Kraft, die in dir steckt und die in diesem Ort steckt. Die Natur weist dir den Weg in all ihrer Schönheit - ich schätze, Worte können es nicht beschreiben. Du musst selber dort gewesen sein. Was aber nicht der Fall ist, oder?" Riven schüttelte den Kopf, aber entgegnete: "Ich habe es schon von Weitem gesehen. Ich verbrachte schon ein paar Tage in Placidium." Lee Sin fiel aus allen Wolken. "Waaas? Wie kommt eine Noxierin wie dich zu so einer Ehre. Ich hoffe doch nicht im Krieg." "Nein, nein. Eher ein Spontanbesuch. Oder auch eine Art Rundführung durch die Stadt. Oder auch eine Drohung. Auf jeden Fall ein bizarrer Vorwand - eine lange Geschichte.", schloss Riven nach einigem Hin und Her ab. Sie wusste nicht so richtig wie sie es zusammenfassen sollte, fügte dann noch hinzu: "Irelia hatte mir sogar Karma vorgestellt." "Irelia? Karma? In dir scheint mehr zu stecken, als man denkt. Erzähl mir mehr." Lee Sin und Riven hatten nur ansatzweise über ihre Zukunft geredet, deswegen war es kaum verwunderlich, dass sein Interesse geweckt wurde.

Sie erzählte ihm in aller Ausführlichkeit ihren Weg hierher und Lee Sin staunte nicht schlecht, als Riven die Namen einiger der bedeutendsten Personen von Ionien nannte, die mit ihrem Lebensweg gekreuzt hatten.

Auch an diesem Tag setzten sie keine Segel und manche Matrosen munkelten schon, dass sie eine weitere Woche hier verweilen würden. Daraufhin verkündete der Käpt’n, dass die "Cheval" - das bewaffnete Transportschiff - morgen zu ihnen stoßen würde und somit kein Grund zur Panik bestehen sollte.

Am nächsten Tag war der Himmel zugezogen und es fielen vereinzelt kleine Tropfen vom Himmel.
Riven beobachtete schon seit dem Morgen, wie der Käpt’n unruhig vor seiner Kajüte nervös hin und her stolzierte, genervt die Matrosen anbellte und dauernd gen Süden lugte. "Was meinst du? Wie lange wird er brauchen, bis er uns gesteht, dass die Cheval verspätet oder gar nicht kommt?" Lee Sin zuckte mit den Schultern und erwiderte: "Maximal drei Stunden. Früher oder später muss er es uns sagen und früher oder später werden wir dann endlich wieder Segel setzen."
"Dir ist es egal?", fragte Riven verwundert und wandte sich zu Lee Sin, der wie so oft im Schneidersitz neben ihr hockte und die Hände gefaltet hatte. "In diesem Falle schon. Solange man weiß, was man nützliches mit der Zeit anfängt, kann es ja einem egal sein, wie viel Zeit verstreicht." Riven hob die Augenbrauen. "Ach ja? Aber wir setzen jetzt schon seit Tagen rum und machen nichts! Vor allem du." "Nein. Ich meditiere, genieße die frische Seeluft und führe durchaus interessante und aufschlussreiche Gespräche mit einer geheimnisvollen und zugleich reizenden Dame." Riven lächelte und erkundigte sich belustigt:
"Wer sollte diese Dame denn sein - außer mir gibt es nur die alte Köchin und ich bezweifle, dass ..." Sie wurde von Lee Sins harschen Worten unterbrochen: "Sei ruhig!" Schlagartig richtete er sich auf und Riven fragte sich für einen Moment, ob sie etwas Falsches gesagt hatte, als er zur Reling stürzte und etwas brüllte.
Doch das Brüllen ging in einem anderen Geräusch unter.
Explosionen? Kanonenschüsse! Und auf einmal schlugen bleierne Kugeln rechts und links von Riven ein. Planken, die zerbersteten, der Geruch von Schwarzpulver, Matrosenschreie - Gefühlslosigkeit. Riven verlor den Boden unter den Füßen, sie fiel und plötzlich bekam sie Angst. Angst davor zu sterben. Aber ihr kamen ironischer weise nur die Worte des Kapitäns in den Kopf: Kein Grund zur Panik. Als ihr Körper dann auf etwas Hartes klatschte, verlor sie das Bewusstsein.

Part 2 - Schwarze Flagge

"Shhh, ganz ruhig. Plötzliche Bewegungen vermeiden, ja? Und nicht erschrecken.", raunte Lee Sin, als er sah, dass Riven ihre Augen wieder aufschlug. "Was, wo bin ich? Wieso erschrecken?", erkundigte sich Riven benommen. Ihr Kopf schmerzte so sehr, als würde ein Messer in ihrem Hinterkopf stecken. Vorsichtig kontrollierte sie es, aber das einzige was sie erfühlen konnte, war eine warme, klebrige Flüssigkeit. Blut? Wieso blute ich? Und mit einem leichten Stechen wurde ihr gewahr, dass ihr Kopf auf Lee Sins Schoß gebettet war, dass er mit einem nasskalten Tuch ihr sichtlich nervös die Stirn betupfte, dass die Aquilla angegriffen worden war und dass die beiden nun nicht alleine waren.

Die Mannschaft mitsamt dem Koch, des Kapitäns und den mitgereisten Gästen - Lee Sin und Riven eingeschlossen - befand sich auf dem Oberdeck der Aquilla. Ihnen gegenüber stand die Mannschaft der Cheval. Es herrschte eine abwartende Stille und Riven war nicht die einzige, die den gutgekleideten Mann mit Bart und gefährlich funkelnden Augen, der ein wenig abseits stand, aufmerksam musterte. Wer war er?
Schließlich brach der Kapitän der Aquilla die Stille: "Nun, Gangplank, altes Haus, sieht man sich wieder? Ich hätte es wissen müssen, dass du dahinter steckst. Wie hast du es diesmal angestellt?" Der Mann lachte in seinen Bart und entgegnete mit einer rauen, tiefen Stimme:
"Yahaha. Deine Chancen müssen ziemlich schlecht stehen, dass du mir so eine Frage stellst, Smitti. Du weißt doch, ich bekomm so einiges mit - vor allem was in Bilgewasser passiert. Da zwitschert mir doch tatsächlich ein Vögelchen zu, dass ein Schiff in Bilgewasser vor Anker liegt, dass unter falscher Flagge segelt, da es eigentlich der ionischen Flotte untersteht. Und dass dieses Schiff einem ungeschützten Handelsschiff Geleitschutz geben soll." Mit bedächtigen Schritten näherte er sich dem Kapitän. "Solch eine Gelegenheit darf man nicht verstreichen lassen, oder? Smitti, altes Haus. Hehehe" Er schlug ihn mit dem Pistolenknauf in den Rücken und ergriff dann Smittis Haare.
"So eine Gelegenheit muss man packen und nutzen." Und zog ihn daran hoch, die Klinge an die Kehle gesetzt.
Smitti zog erschrocken die Luft ein und wisperte flehend: "Warte! Ich hab was ... was dich interessieren könnte." Überrascht zog Gangplank die Augenbrauen hoch: "Ach ja? Das bezweifle ich ..." "Doch doch. Siehst du die beiden da, die Frau und der Mann mit dem Zopf?" Smitti zeigte zitternd auf Lee Sin und Riven. "Die Frau ist Riven, eine berühmte noxische Soldatin. Und der Mönch da ist einer der mächtigsten ionischen Beschwörer und Kämpfer."
Gangplank erwiderte in scheinbarer Rage: "Die Frau da? Du willst mich wohl auf den Arm nehmen, du elendiger Hund." In Wirklichkeit war sein Interesse geweckt. Nein, mehr als das. Fortuna hatte ihn wieder einmal belohnt. Ein wirklich dicker Fisch, den er da geangelt hatte. Gangplank konnte sein Glück kaum glauben.

Der Grund, wieso Gangplank den Namen Riven kannte und wieso er nun all seine Aufmerksamkeit auf diese Frau richtete, war - der Seebär erinnerte sich noch genau - folgender:

Vor etwa vierzig Tagen, Bilgewasser, ein lauer, windiger Sommerabend, in Gangplanks luxuriösem Stadthaus. Er genehmigte sich ein weiteres Glas Rum. Die Kerzen flackerten und warfen unruhige Schatten an die Wände seines Arbeitszimmers, die großzügig mit erbeutetem Gut bestückt waren. Sein liebgewonnener Dolch lag neben verschiedenen Briefen, Büchern, einer Schatzkarte und einer tickenden Uhr, die er bei einem Überfall auf ein bandlelisches Transportschiff gefunden hatte.
Gedankenverloren überflog Gangplank eine etwas ältere Zeitung: "Großer Entdecker Ezreal legt urzeitliche Ruinen frei." "Erneute Spannungen zwischen Noxus und Demacia." "Piltover gilt als friedlichste Stadt in Runeterra - ein Interview mit Caitlyn." "Leerenforscher Kassadin spurlos verschwunden."
Ein plötzlicher Windstoß pfiff über die Dächer und Gangplank fragte sich zum wiederholten Mal, ob er nicht doch nochmal nach der Todesquell schauen sollte, die in seinem Privatdock vor Anker lag.
Auf einmal öffnete sich knarzend die Tür ein Stück weit. Stirnrunzelnd beobachtete Gangplank den Spalt, während er seine Pistole zu fassen bekam. Dann rief er: "Bill? Mach die Türe wieder zu. Ach ja ... und hol mir noch ein Buddle Rum." Doch weder antwortete Bill, der einer der Hauswächter war, noch wurde die Tür geschlossen. Irgendetwas stimmte hier nicht. Gangplank ergriff nun auch seinen Dolch und richtete sich langsam von seinem Stuhl auf. "Na schön, du willst spielen? Ich wart auf dich.", brummte er drohend.
Dann ging alles ganz schnell. Die Tür schlug vollends auf, Bill kippte mit einem Messer im Rücken in Gangplanks Zimmer, ein Schatten huschte durchs Zimmer und eine Klinge glänzte verräterisch im Schein der Kerzen. Der Seebär erhob seinen Dolch und kreuzte die Klinge mit dem Unbekannten. Jedoch hebelten sie sich beide ihre Waffen aus, Gangplank zückte seine Pistole und der Schatten erhob hastig seine Arme, während er hastig folgende Worte ausstieß: "Warte, nicht schießen!" Und ergänzte dann noch: "Wenn du jetzt abdrückst werden dir Macht und Reichtum verwehrt bleiben! Ich will dich nicht töten - wollte nur sicher gehen, dass du mich nicht sofort um pustest." "Ich muss nur abdrücken ... ", erwiderte Gangplank drohend.“Nicht abdrücken! Jetzt leg die Pistole weg. Sonst kann ich dir nicht den Brief geben." Der Pirat hielt noch für einen Augenblick inne bevor er das Schießeisen seufzend beiseite tat. Der Unbekannte entspannte sich und ließ die Arme sinken, nachdem er nun nicht mehr in unmittelbarer Lebensgefahr schwebte. Sodann trat er aus dem Schatten heraus und bemerkte leichthin und auf einmal sehr selbstsicher: "Gute Entscheidung. Also - ich suche eine Person und du, Herr von Bilgewasser, könntest mir dabei bestimmt helfen ... darf ich mich setzen?" Gangplank betrachtete sein Gegenüber für einen Augenblick: Ein junger Mann, athletisch, die Kapuze seines Mantels tief ins Gesicht gezogen, gut gekleidet und mit zwei Klingen bewaffnet. Zweifellos ein Assassine.
Dann verwies er schweigend den jungen Mann auf einen Stuhl vor dem Arbeitstisch, schenkte ihm ein Glas Rum ein, doch legte die Pistole in greifbarer Reichweite. Daraufhin lächelte der Assassine, zauberte einen großen Steckbrief hervor und wies überflüssigerweise darauf hin, dass das sie gesuchte Person ist. Auch er beäugte sein Gegenüber misstrauisch. Wie zwei streunende Katzen, die sich vorsichtig umkreisten und nur auf einen Angriff des anderen warteten. Außerdem waren Misstrauen und Vorsicht zwei der wichtigsten Gebote eines noxischen Assassinen.
"Die gesuchte Person wird Riven genannt. Auf ihr ist ein Kopfgeld von 1000 Goldstücken ausgesetzt - lebendig, damit wir uns verstehen. Doch in deinem Falle Gangplank, um auch wirklich sicher zu gehen, dass du dieses Angebot ernst nimmst, legen wir auf das bisschen Gold noch eine noxische Fregatte drauf. Stell dir vor, Käpt’n Gangplank, mit zwei Schiffen - der Beginn einer eigenen kleinen Flotte." Er nahm einen kräftigen Schluck Rum. "Auf jeden Fall, wenn du sie in Gewahrsam hast, schicke umgehend einen Brieffalken nach Noxus. Wir werden die kleine Ausreißerin dann an uns nehmen. Noxus würde für immer in deiner Schuld stehen. Einen angenehmen Abend." Ohne eine Gegenreaktion abzuwarten, verschwand der Assassine so schnell und lautlos wie er gekommen war. Nur das leere Rumglas und der Steckbrief zeugten von seinem Besuch.

Er musste für einen Moment in Erinnerungen versunken gewesen sein, denn als Smitti eine weitere Beteuerung von sich gab, bekam Gangplank nur die letzten drei Wörter mit: "... töte mich nicht!" Er hatte also nichts verpasst.
Ein wenig unsicher schaute Gangplank die Umstehenden an, während die Klinge seines Dolches immer noch an Smittis Kehle lag. Was sollte er nun machen?
Ohne lang zu überlegen ging ihm auf, dass es sehr verdächtig wäre, wenn er Riven gefangen nehmen würde. Es würde Gerede geben, die Crew würde unangenehme Fragen stellen, es war praktisch ein offenes Geheimnisse, dass Gangplank von einem Noxier besucht worden war und ein Steckbrief zurückgelassen wurde. Schlussendlich würden sie es herausfinden, was wiederum Habgier von seitens seiner Crew und seitens seiner Feinde erwecken würde. 1000 Goldmünzen war ein nettes Sümmchen und Noxus würde sich nur freuen, wenn sie das Kriegsschiff behalten könnte.
Außerdem machte kein Pirat Gefangene - rein aus Prinzip versteht sich.
In was für eine Zwickmühle war Gangplank nun da mal wieder hineingeraten.

Doch plötzlich erschallte ein Ruf des Mannes am Ausguck: "Bounty voraus, Kapitän!" Genau das hatte noch gefehlt. Miss Fortune war ein weiteres Mal zur Stelle um ihm einen Strich durch die Rechnung zu machen.
Smitti erkannte seine Chance und bemerkte nun jetzt wieder selbstsicherer: "Entweder du lässt uns entkommen oder wir finden beide hier unser nasses Grab."
Heute war wohl doch nicht sein Glückstag, erkannte Gangplank. Er musste sich jetzt entscheiden. Entweder er nahm die Kleine gefangen, riskierte Probleme, ungerechtfertigte Tode oder vielleicht auch eine Meuterei oder er ließ sie wohl oder übel ziehen, konnte sich wenigstens am erbeuteten Gut der Aquilla erfreuen und entkommen. Er fällte eine Entscheidung, die zwar sicherer war, aber dennoch seine Pulsader hervortreten ließ - er war außer sich vor Zorn. Wie konnte sich solch eine glückliche Fügung in Pech verwandeln?

"Zurück an Bord und hisst die Segel, Männer! Diese dreckigen Landratten werden eines anderen Todes sterben. Steuermann, Kurs gen Bilgewasser. Machen wir, dass wir hier wegkommen.", brüllte Gangplank.
"Vielen Dank. Hast was gut bei mir, altes Haus. Kann ich ... gehen?", äußerte Smitti mit sichtlicher Erleichterung. Wo in seinen Augen davor noch Panik zu sehen war, konnte man jetzt eine Spur Genugtuung sehen.
"Aye ... natürlich, altes Haus! Natürlich kannst du gehen!", erwiderte Gangplank hysterisch, trat einen Schritt zurück und nahm seinen Dolch von Smitties Kehle.
Doch dann, schlagartig änderte sich seine Miene und mit wütendem, verzerrtem Gesicht rammte er die Klinge in Smittis Bauch.
Irgendjemand musste sterben, raunte ihm seine rasende Wut zu, also genieß es.
Genüsslich drehte er den Dolch um die eigene Achse und das sachte Knirschen der Knochen und Knorpel, das langsame Aufplatzen von Organen und Arterien und der stille, atemlose Schrei von Smitti schwang in seinen Ohren und besänftigte seinen Zorn ungemein. Mit einem gewissen Bedauern zog er den Dolch wieder heraus, wischte sich das Blut am Hosenbein ab und sah zu, dass er auf die Cheval kam und genug Kielwasser zwischen seinem Schiff und der Bounty bekam.

Riven hatte gebannt der Szene gefolgt bis auch ihr gewahr wurde, dass sie noch in Gefahr waren. Doch glücklicherweise erledigte sich das von selbst, da einer der Matrosen - mangels eines Kapitäns - das Steuer übernahm und ein anderer tatkräftig Aufgaben verteilte. Die Bounty verfolgte nicht weiter die Aquilla. Der Grund mochte nur Miss Fortune wissen und so entkam Riven dieses Mal einer weiteren Gefangenschaft.

Part 3 - Eisiger Norden

Fünfzehn Tage war es nun her, als Fenris die ionische Küste an Bord des Wellenwolf verlassen und Kurs gen Heimat genommen hatte. Die Zeit war wie im Flug vergangen und so hatte das Schiff schon nach elf Tagen in Piltover angelegt. Daraufhin hatte sich Fenris ein Zimmer im Gasthaus zum Rammbock - was ein wirklicher komischer Name für ein Gasthaus war - genommen und gönnte sich ein heißes, dringend nötiges Bad mit allem "Drum und Dran".

"Oh. Tut das gut. Du weißt ja nicht, wie man nach zwei Wochen unter Männern auf See, sauberes, warmes Wasser vermisst.", äußerte sich Fenris zufrieden und streckte sich, so dass die Gelenke gefährlich knackten. "Doch, das weiß ich, Herr. Und jetzt still halten.", entgegnete das Zimmermädchen unbeeindruckt und versuchte Fenris zu Rasieren, ohne dass es in einem Blutbad endete. Doch sie verstand sich auf das, was sie tat.
"Geschafft. Sagt mir, Herr, wohin führt euch eure Reise? Ich glaube, dass ihr nicht von ihr seid ...", fragte sie beiläufig, nachdem sie die Klinge absetzte und mit einem nassen Tuch den restlichen Schaum wegwischte. "Ach und wieso glaubst du das?", erwiderte Fenris mit einer Gegenfrage. Das Zimmermädchen wusste, dass sie jetzt ihre Zunge hüten musste. Manche Gäste waren weniger tolerant gegenüber frechen Antworten. "Nur eine Vermutung, Herr." Sie begann Fenris den Rücken mit einer Bürste zu schrubben, als sie ein paar Narben entdeckte und fasziniert darüber strich.
"Erinnerungen an meine Ausbildung beim noxischen Militär. Die kleinen, langgezogenen Narben weiter oben sind von einer Peitsche. Bin beim Wachtdienst eingeschlafen." Fenris musste unwillkürlich grinsen.
Diese Zeit kam ihm trotz der Strenge, Zucht und Stress jetzt wesentlicher unbeschwerter und besser vor. Er und seine Kameraden hatten sich wie Bengel benommen und lauter Unfug angestellt. Vielleicht um von der Zukunft abzulenken, vielleicht um die Befürchtungen zu verdrängen. Denn irgendwann kam für jeden der Tag, an dem er seine Sachen packen und in den Krieg ziehen musste - einen Krieg der unzählige Opfer gefordert hatte, fordert und fordern wird.
"Und die andere Narbe da oben rechts?" "Ein ionischer Soldat.", beantwortete Fenris knapp. Ihm gefiel es nicht, dass er wegen ihr in traurige, melancholische Gedanken verfiel. Doch das Zimmermädchen sah seine sturmbewölkte Miene. "Soll ich euch noch einen Eimer heißes Wasser holen, Herr?" Fenris nickte und als sein Blick auf den wohlgeformten Hintern des Zimmermädchens fiel, die sich gerade bückte um das Feuer anzufachen, fügte er hinzu: "Und danach kannst du zu mir ins Bad kommen." Das Zimmermädchen lächelte schwach. "Wie ihr wünscht, Herr."

Am nächsten Tag verließ Fenris das Gasthaus und dann auch Piltover um sich auf den Weg zu den Eisenstachel-Bergen zu machen. Denn diese Berge markierten die östlichen Grenzen von Freljord. Vor ihm ein schnurrgerader Weg, in seiner Hand eine Karte von Runeterra, sein Rucksack gefüllt mit Proviant und die strahlende Sonne, die auf ihn herab lächelte.

Zunächst schloss sich Fenris einer Gruppe von Bauern an, die ebenfalls auf dem Weg zu den Bergen waren um dort an seinen niederen Hängen die Traubenernte einzubringen. Es war klüger in einer Gemeinschaft zu Reisen, da stets einzelne Wegelagerer und Diebe leichtsinnige Wanderer überfielen und töteten. "Wenn dich innerhalb von Piltover Caitlyn beschützt, wird es außerhalb nur deine eigene Vorsicht tun." besagte ein Sprichwort, das Fenris im Gespräch mit den Bauern aufschnappte.

Umso weiter Fenris sich den Eisenstachel-Bergen näherte umso mehr Reisende verabschiedeten sich und umso rauer wurde das Klima. Zwar schien dem Sonnenschein nichts anhaben zu können, doch war er machtlos gegen die eiskalten Winde, die die Berge hinab wehten und selbst die unerschrockenen Wanderer erzittern ließen. Aber Fenris schien das nichts auszumachen, worüber er überrascht war, da er solange in wärmeren Gefilden gelebt hatte. Dann spürte er wie der Weg steiler wurde, das Heulen des Windes eindringlicher, sich die Laubbäume nun endgültig lichteten und verschwanden und das Leben der Kälte wich. Es dauerte nicht lange bis dann auch Schnee vom grauen Himmel fiel. Nun war Fenris auf sich gestellt.

Acht Tage verstrichen bis er die Gipfel der Berge erreichte und Freljord offen vor ihm lag. Zuhause, endlich war er in seiner Heimat angelangt, war Fenris erster Gedanke. Doch der schwierigste Teil des Weges lag noch vor ihm. Das Hochgebirge barg viele Tücke und Gefahren. So musste er aufpassen vor Schneewölfen und Winterluchsen. Schlaue, gefährliche Biester. Aufpassen vor Schneestürmen, Gletscherspalten, Lawinen und anderen Dingen, von denen Fenris lieber nichts wissen wollte.
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Der folgende Abschnitt, der zwar nicht relevant für den Verlauf der Geschichte, aber dennoch sehr interessant zu lesen und meiner Meinung nach ein gelungenes Experiment ist, entstand in Zusammenarbeit mit Morph Jerme. Falls ihr daran interessiert seit, wie Jerme das Gespräch aus seiner Sicht erlebt, dann klickt auf folgenden Link (Kapitel 10). Falls ihr kein Interesse daran habt, scrollt einfach weiter runter und überspringt diesen Abschnitt.
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Am nächsten Morgen fand er einen Unterschlupf unter einem Vorsprung vor dem Schneesturm, der ihn vor zwei Tagen erfasst hatte. Rasch hatte er ein Lagerfeuer mithilfe von totem Geäst entfacht und beobachtete wie so oft faszinierend wie das lechzende Feuer das Holz Stück für Stück verschlang. Auf einmal ließ Fenris ein seltsames Geräusch auffahren. Was war das? Dann konnte er einen näherkommenden Schatten im Schneetreiben erkennen. Dieser Schatten hatte etwas Groteskes an sich, da er zwar menschengroß aber doch seltsam verformt war. Vorsichtshalber zog Fenris sein Schwert.


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xKnusp3rx

Senior Member

29-12-2012

Der Schatten kam näher und näher. "Wer ist da? Gib dich zu erkennen oder ich werde deine Eingeweide ...", schrie Fenris sichtlich nervös in das Schneegestöber dem Schatten zu, als er von dessen Stimme unterbrochen wurde. Stimme konnte man es nicht nennen. Eher Halb Fauchen-halb Reden. Auf jeden Fall nicht wirklich menschlich und nicht verständlich, so dass Fenris ein, an einem Ende, brennendes Holzstück aufhob und es wie ein zweites Schwert dem Schatten entgegenstreckte. "Ich hab dich nicht verstanden, also komm ruhig näher, ja? Oder hast Angst vor dem Feuer, du … Scheiß Viech!" Auf einmal verwandelte sich der Schatten mit einem unheimlichen Geräusch und trat langsam in den Schein der Fackel. Verblüfft ließ Fenris diese sinken, als sein Gegenüber sagte: "Entschuldigt mich, falls ich Euch erschreckt habe. Ich bin durch meine Reise sehr erschöpft und kann nicht mehr klar sehen und denken. Ich hoffe es macht euch nichts aus, wenn ich Euren Unterschlupf mitbenutze?"

Die Stimme war nun eine ganz andere. Impulsiv wollte Fenris den unerwarteten Gast sofort wieder wegschicken, aber etwas hielt ihn davon ab.
Dieser Mensch war ein hochgewachsener, junger Mann, der eine bläulich-leuchtende leichte Rüstung trug und die Kapuze tief ins Gesicht gezogen hatte. „Wartet. Wie habt ihr das gerade eben gemacht? Ich habe gedacht, dass dieser Schatten der auf mich zukommt eine Art Drache ist, aber nun stehen sie vor mir. Ein Mensch?!“, erwiderte Fenris und warf seinem Gegenüber einen abwartenden Blick zu. „Ich bezweifle, dass ich Euch diese in meinem jetzigen Zustand noch erklären kann“, erklärte sein Gegenüber knapp. „Und ich bezweifle, dass ich sie meinen Unterschlupf mitbenutzen lassen werde, wenn ich ihnen nicht trauen kann. Das verstehen sie doch, oder?“ Der junge Mann nickte eindringlich, wobei er sich aber dann an den Kopf fasste. Kopfschmerzen? Irgendetwas stimmte nicht mit ihm. „Ich verstehe euch. Mir liegt es aber nicht am Schutz, den er bietet, sondern ich suche - wegen eines mich mental stark belastendes Erlebnisses - Gesellschaft. Meine Geschichte ist zu lang, um sie jetzt zu erzählen. Das wichtigste für Euch zu wissen ist, dass ich weder Mensch noch Drache bin.“ Nach einer kurzen Pause fügte er noch hinzu: „Jedenfalls nicht vollständig. Wenn ihr mögt bin ich bereit Euch mehr zu erzählen, wenn es mir wieder besser geht. Es ist schwer mit der Leere fertig zu werden“ „Die Leere? Weder Mensch noch Drache? Ihr scheint mir ein komisches Kerlchen zu sein. Ihr habt meine Aufmerksamkeit, setzt euch ... oder legt euch hin. Wie es euch beliebt. Ich darf dich ja Duzen?!“ Die Frage war nicht ernst gemeint, aber der junge Mann nahm es für bare Münze. Auch sonst schien er wenige Emotionen zu zeigen und machte auf Fenris einen gelassenen Eindruck. Fast schon gelangweilt. „Handelt wie Ihr beliebt. Ich danke Euch für eure Unterstützung, Ihr werdet später mehr erfahren“ „Das hoffe ich doch.“, sagte Fenris und stemmte die Arme in die Hüften. Als sich Fenris Magen meldete, ergänzte er noch: „Mal schauen ob ich einen Schneeigel, Schneehase oder Langzahnfuchs erwischen werde. Gleich wieder da.“ Aber der Gast war schon eingenickt. Eingerollt lag er ein wenig abseits vom Feuer. Fenris war sehr gespannt auf das, was der junge, mysteriöse Mann wohl erzählen würde.

Als Fenris wenig später mit einem toten Hasen in der einen Hand zurückkam, während seine andere Hand den peitschenden Schnee abzuwehren versuchte, sah er, dass der junge Mann wieder auf den Beinen war. Auf Fenris Nicken hin, fing der Gast an zu erzählen: „Mir geht es nun viel besser. Wie Versprochen fange ich nun an: Mein Name ist Jerme. Ich gehöre einer Wesensgattung die sich 'Morph' nennt. Viele denken es sei ein Titel, doch sie liegen falsch. Ein Morph ist ein untotes, von Menschenhand geschaffenes Wesen, das nur mithilfe schwarzer Magie zum Leben erweckt werden kann. Ich war viel früher einer der besten Assassinen die man je gekannt hatte, doch dann kam mein Fall, als ich beim Verteidigen eines Schlosses von Adeligen getötet wurde. Ein Magier hat mich wiederbelebt und mich wieder in den Kampf gegen diese Truppe geschickt. Ich bin wieder gefallen, mit der Hoffnung endlich erlöst zu sein, doch wieder wurde meine Lebensessenz gesammelt und mit der von zwei Wesen der Gattung Laguz gekreuzt und zu einem neuen Morph entwickelt worden. Laguz sind Menschen mit Tiermerkmalen und in das Tier, dessen Merkmale sie besitzen, können sie sich verwandeln. Die beiden Laguz waren ein mir unbekannter Laguz, der sich in eine große schwarze Katze verwandeln kann, der andere war der mächtigste den es je gab: der Drachenkönig Deghinsea. Ich befreite mich aus den Klauen meines Erschaffers, indem ich ihn tötete. Ihr wisst nicht welche Qual es war wiederbelebt zu werden.“ Für einen Liedschlag spiegelte sein Gesicht die schmerzenden Erinnerungen wieder. „Ich wurde von beiden Völkern verachtet, da ich keiner von ihnen war. Ich reiste viel umher und fand eine Einrichtung, in der ich akzeptiert wurde. Dort zog ich ein, aber dennoch reiste ich viel um meinen Forscherdrang zu stillen. Die Leere war meine letzte Reise. Sie war sehr hypnotisch und versuchte meinen Geist zu brechen, um mich vereinnahmen zu können. Das ist meine Geschichte …“

Laguz, Drachen und die Leere? - alles Sachen, von denen Fenris nur mal im Entferntesten gehört hatte und an die er nicht glaubte. Ein schlauer Mann glaubt nur das, was er sieht, hatte Fenris Vater einmal gesagt - und Fenris hatte weder Drachen noch das Angesicht der Leere gesehen. „Und nun bist du hier … eine wirklich fantastische Geschichte. Ich bin auch viel um hergekommen – wahrscheinlich nicht so viel du - und habe viel aufgeschnappt. Manches war glaubwürdig, manches weniger …“ „Ich kann mir mein Schicksal nicht aussuchen!“, verteidigte sich Jerme. „Wer kann das schon. Was für eine Einrichtung ist das, von der du da erzählt hast. Die müssen sehr tolerant sein einen ... wie sagtest du? Einen Morph wie dich aufzunehmen. .“ „Diese Gattung ist unbekannt, aber es gab einen langen Kampf zwischen den Menschen - die Laguz nennen sie Beorc - und den Laguz. Beide Parteien akzeptieren sich nicht. Und wenn ein Paar aus einem Laguz und einem Beorc ein Kind bekommt, wird es von beiden Parteien verachtet, so war es auch mit mir. Aus dem Nichts aufgetaucht, die Male eines Gezeichneten - so wird der Mischling genannt. Es war schwierig sie zu überzeugen mich aufzunehmen, besonders wenn man als Gezeichneter die unmögliche Fähigkeit besaß sich zu verwandeln. Da diese Zeit so lange zurückliegt, weiß keiner davon und ich blieb ein Mysterium, das keiner ergründen wollte.“

Nachdenklich schaute Fenris Jerme. Vielleicht stimmte es ja sogar. Wieso sollte er lügen? Und vom Konflikt zwischen den Laguz und den Menschen hatte er auch schon gehört. Auf einmal meldete sich wieder sein Magen. Vor lauter Grübelei hatte er den erbeuteten Hasen vergessen. „Isst du Fleisch?“, fragte Fenris Jerme, als er anfing das Tier fein säuberlich auseinander zu nehmen. Kopfschüttelnd erwiderte Jerme: „Ich bin im Moment nicht sehr hungrig. Dennoch danke für dein Angebot“ Wieder einmal eine sehr zurückhaltende Antwort. Geschickt entfernte Fenris die Haut vom Fleisch. Sein Vater hatte ihm in der Kunst des Häutens und Schlachten gelehrt. „Wie du willst. Selber schuld, solch einen köstlichen Braten auszuschlagen.“ „Wenn Ihr verstehen würdet, was ich durchgemacht hab, würdet ihr wissen, warum ich Essen im Moment ablehne.“ Diese Antwort traf bei Fenris eher auf Unverständnis. „Na gut.“ Dann hielt er das Hasenfleisch über das Feuer und fuhr fort: „Ihr habt viel von euch erzählt - wahrscheinlich wollt ihr, dass ich was von mir erzähle und was mich hierher an diesen ungemütlichen Ort verschlagen hat, nehm ich an.“ „Ihr wolltet meine Geschichte hören, aber ich habe kein Interesse an der Euren. Seid gewarnt vor mir, ich habe so manchen starken Gegner besiegt.“
Fenris dementierte diese eindringlichen Worte mit einem schlichten Nicken. Um das Thema zu wechseln und um die Stille zu vertreiben fragte Fenris schließlich: „Was wisst ihr über diesen Ort Jerme? Wart ihr schon einmal hier?“ „Ich war an vielen Orten, doch Freljord ist mir neu, da meines Wissens nach hier nichts in meinem Interesse befindet. Ich bin nur von der Leere hier ausgespuckt worden, nachdem ich sie in Icathia betreten hatte. Habt ihr von diesem Ort schon etwas gehört?“ „Ich wurde hier in Freljord geboren. Vilds heißt mein Heimatdorf. Das liegt etwa ein paar Meilen in diese Richtung.“ Vage zeigte Fenris mit dem Finger nach Westen. „Das ist das erste Mal seit etwa 10 Jahren, dass ich meine Familie wieder sehen werde.“ „Meine Frage betraf aber nicht diese verschneite Gegend sondern eher Icathia, aber danke für die Informationen.“ Fenris lachte überrascht. Da war er wohl mit den Gedanken wo anders.
„Gern geschehen. Na ja, von Icathia habe ich schon mal was gehört. Hat mit der Leere zu tun, nehme ich an. Was ist die Leere Jerme? Ich kenne sie nur aus Geschichten in der sie als Ort des Horrors und Schreckens beschrieben wird - und als Ort aus dem Cho'Gath und Kog'Maw entsprungen sind.“ „Meiner Erfahrung nach, ist sie eine unendliche Weite mit einer Art lilanem Nebel. Und eine Belastung für den Geist, denn immer wieder wurde ich Prüfungen unterzogen, die mir starke Kopfschmerzen bereitet hatten. Ich habe keine weitere Gestalt in der Leere ausmachen können, aber vielleicht hatte die Leere für "Besucher" wie mir eine weitere Dimension geöffnet. Heißt ich war in einer anderen Leere und direkt vor meiner Nase hätte ein weiteres Wesen wie Cho'Gath oder Kog'Maw sein können.“ „Ein gruseliger Gedanke, findest du nicht? Das was ich von diesen zwei Monstren gehört habe, ist sehr - wie soll ich sagen - furchteinflößend.“ „Es ist noch ein drittes der Leere entsprungen, welches um einiges intelligenter war. Jedoch wurde auch dieses gefangen, soweit ich weiß.“ „Zum Glück. Wie betritt man die Leere?“ Fenris entwickelte ein gewisses Interesse an diesem Thema, auch wenn es nach wie vor sehr theoretisch war. „Es gibt in Icathia ein verstecktes Portal. Wenn man es berührt, fällt man in Ohnmacht und wird der ersten Prüfung unterstellt. Ich landete in Freljord und nur die Tatsache, dass ich Kälte spürte, hatte die Illusion auffliegen lassen. Wenn man die Prüfung bestanden hätte, würde man in der Leere wieder aufwachen, aber dann fängt der Druck auf den Geist an. Doch mich hat die Leere ausgespuckt, weil ich wohl zu viel über sie wusste und noch mehr wissen wollte.“ „Erschreckend wie machtvoll die Leere zu sein scheint.“ „Vielleicht ist ihre Wirkung auf Euch anders, denn ich glaube sie passt sich demjenigen an, der sie betritt.“ Fenris zuckte mit der Schulter. „Vielleicht.“ Er würde und wollte es wohl nie erfahren.

Gierig verschlang Fenris das restliche, gebratene Fleisch und als er bemerkte, dass der Schneesturm an Schwäche verloren hatte, beschloss er langsam aufzubrechen. Er packte das Zeug zusammen und beäugte Jerme ein letztes Mal. „Es wird Zeit, dass ich weiterziehe, Jerme. Hat mich gefreut dich kennen zu lernen.“ Dieser antwortete: „Ich wünsche Euch Erfolg auf deinen Reisen, ich werde wieder in mein zu Hause zurückkehren. Vielleicht treffen wir uns wieder. Wenn ihr mögt kann ich Eure Fähigkeiten im Kampf testen und stärken.“ Mit einer abwehrenden Geste lehnte Fenris dieses Angebot schweigend ab. Er wollte dem Mann nicht näher kommen als unbedingt nötig. Das Misstrauen hatte sich im Laufe des Gesprächs in Respekt vor Jerme verwandelt. Als Fenris aus dem Felsvorsprung heraus trat, rief ihm Jerme zu: „Auf eine weitere Begegnung.“ Fenris winkte ihm und stapfte durch den Schnee gen Westen. Auf eine weitere Begegnung, geheimnisvolles Wesen, dachte sich Fenris und lächelte still und immer noch ungläubig vor sich hin.
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Nach ein paar Tagen beschwerlichen Marschs durch den immer tiefer werdenden Schnee erreichte Fenris schließlich einen Gletscherpass, der anscheinend direkt auf die andere Seite des Gebirges und so zum Ziel seiner Reise führte. Er wusste um die Gefahren einer Gletscherwanderung doch wusste er auch, dass die nördliche Route das Yeti-Territorium kreuzte. Seit jeher blieben die Yeti-Stämme unter sich und verhielten sich gegenüber unerwünschten Gästen folglich sehr feindselig - wer konnte es ihnen verübeln, da doch gerade menschliche Einsiedler dafür verantwortlich waren, dass die Yetis fast aus ganz Freljord verdrängt wurden.
Als Fenris seinen Entschluss gefasst hatte, stand die Sonne schon tief am Himmel und so verschob er den Gang über den Gletscher auf den nächsten Tag.

Auszug aus einem anerkannten Valorankundebuch:
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Am nächsten Tag brach Fenris zeitig auf. Er war kein unerfahrener Wanderer, ihm waren die Gefahren bekannt. Deswegen versuchte er stets dunklere Stellen in der Schneedecke zu umrunden, da diese Löcher bzw. unsicheres Eis markierten. So kam er doch sehr zügig voran und bald hatte er die Gletscherzunge, die Endpassage eines Gletschers, im Blickfeld.
Aber noch konnte sich Fenris nicht in Sicherheit wiegen und die Sonne neigte sich allmählich wieder dem Horizont. Auf einmal hielt er in der Bewegung inne. Der Boden unter ihm knackte und stöhnte unter den Gewicht von ihm selbst eigentümlich laut. Vorsichtig trat Fenris einen Schritt nach vorne und mit aufkeimender Panik entdeckte er einen kleinen Riss, der von weiter hinten unter vernehmlichen Knacksen sich seinen Weg auf ihn zu bahnte. Schon hatte er ihn fast erreicht. Mit einem Impuls der Angst sprintete Fenris los und das Eis zerbrach in Fenris Rücken in kleine Stücke und fiel in schwarze Untiefen.
Schwer atmend und mit dem Schreien des Eises in seinen Ohren gewann Fenris an Vorsprung. Plötzlich stolperte er. Verzweifelt bäumte er sich auf. Seine Füße verloren den Halt. Mit letzter Kraft klammerte er sich an einen Brocken Eis. Dann zerbrach auch dieser und Fenris fiel - fiel unendlich lang - landete unendlich schmerzhaft. Dann brach die unendliche Dunkelheit des ewigen Eises über ihn herein.

Ganz so unendlich war sie nun auch nicht.

Ein wenig später wachte Fenris auf. Schwärze - ohne Konturen, ohne Ende. Horror. Im ersten Augenblick dachte Fenris er sei Tod, aber diese Vermutung erwies sich als falsch, als Fenris Bewegungen Schmerz hervorriefen. "Träume ich?", fragte sich Fenris laut. Seine Stimme hallte unheimlich wieder. Ist hier jemand? - lag Fenris auf der Zunge, aber nach kurzem Überlegen unterließ er das. Er wollte nicht wissen, wie viele Stimmen - außer seinem eigenen Echo - ihm antworten würden. Für einen Traum war die Angst zu real. War er blind? Zögernd strich Fenris über sein Gesicht, aber zumindest die Augenhöhlen waren nicht leer. War noch alles an ihm dran? Blutete er? Wo war er? Und verdammt - wie kam er hier wieder raus? Fenris blickte nach "oben" - er war sich nicht sicher, ob die Richtung stimmte. Ich orientierungsloser Idiot, schalte er sich.
Tastend und Hörend trippelte Fenris vorwärts bis er eine Wand erreichte. Sie war eisig-kalt. An dieser lief Fenris entlang bis er dann auf einmal über etwas stolperte. Vorsichtig bückte er sich und schon beim Befühlen des Gegenstandes wusste er, dass das seine Reisetasche war. Nach einigem Suchen kramte er triumphierend seine Laterne hervor. Dann lass mal sehen, wo ich gelandet bin, sagte er sich, als er die Laterne mithilfe von Feuersteinen, die er ebenfalls in der Tasche gefunden hatte, in Gang brachte.

Zuerst nur gleißende Helligkeit. Fenris kniff die Augen zusammen. Als er sie vollständig öffnete, erhaschte er einen Blick auf seine Umgebung. Ihm blieb beim Anblick für einen Moment das Herz stehen. Erschreckt schrie Fenris auf und ließ dabei fast seine Laterne fallen.

"Aus dem Weg, Soldatin.", schrie ein Verladearbeiter, als er breitbeinig und schnellen Schrittes mit einer mannsgroßen Kiste auf Riven zu torkelte. Rasch trat Riven ein paar Schritte zurück, aber rempelte dabei ausversehen einen anderen Hafenarbeiter an. Lautstark fuhr dieser auf, gestikulierte wild mit seinem Händen und versuchte Riven näherzubringen, dass Weiber nichts am Dock zu suchen habe. Doch als sein Blick auf den Schwertknauf von Rivens halb-zerbrochenem Zweihänder fiel, welches sie nun immer an ihrer Seite trug, verstummte er.

Riven hatte nun nach vielen Tagen auf hoher See wieder festen Grund unter ihren Füßen, was sie zum einen zuversichtlich stimmte. Andererseits war sie nun aber auf sich alleine gestellt, da Lee Sin das Schiff eine Anlegestelle vor Riven verlassen hatte. Die Aquilla hatte zum ersten Mal nach dem Zusammentreffen mit Gangplank am großen Hafen vom Stadtstaat Noxus den Anker gelichtet. Dort ist Lee Sin von Bord gegangen um sich auf den Weg zur Liga der Legenden zu machen. Riven allerdings vermutete, dass gerade von Noxus die größte Gefahr ausging, denn sie hatte so eine Ahnung, dass die Befehlshaber von Noxus, einschließlich Swain, sie nicht mit offenen Armen empfangen würden. Wahrscheinlich hatten sie mit eingeplant, dass Riven bei der Schlacht in Ionien ebenfalls zu Grunde gehen und sterben würde.
Sie war zu Grunde gegangen. Aber die Hauptsache war, dass sie wieder aufgestanden war. So oft du auch fällst, so oft musst du dich aufrichten und aus deinen Fehlern lernen. Ich habe aus meinem Fehler gelernt, hatte sich Riven felsenfest von sich überzeugt gesagt.

Den Umständen entsprechend blieb Riven an Bord und die Aquilla hatte Kurs gen Süden genommen, fuhr immer in Sichtweite des valoranischen Ufers und erreichte auch bald die Hafenstadt Liras. Sie gehörte nicht zu den Ländereien von Noxus, soweit Riven wusste.
Die Docks, Anlegestellen, Schiffsbetriebe, Fischershütten und Hafentavernen lagen in einer natürlichen Bucht, die durch die ehernen Stadtmauern eingegrenzt wurden.

"Tagträumer erreichen hier nicht viel.", riss eine dunkle Stimme Riven aus den Gedanken. Überrascht drehte sie sich um. Ein schlecht gekleideter junger Bursche mit einem dreisten Lächeln auf den Lippen schaute Riven aus strahlenden Augen direkt an. "War nur ein Scherz. Deiner Kleidung nach zu urteilen, stammst du nicht von hier. Willkommen in Liras.", fuhr er fort. Unschlüssig was sie darauf erwidern sollte, verschränkte Riven abwarten ihre Arme. Nach den Wochen und Monaten im Felde mit der Armee, mehr oder weniger zu zweit mit Fenris in den Wäldern und mit Lee Sin auf der Aquilla, ist sie bei der Ankunft in Liras mit den Menschenmassen überfordert gewesen. Sie fühlte sich verloren, überrumpelt, niedergeschlagen. Auf einmal ging ihr auf, dass sich das höchstwahrscheinlich in ihrem Gesicht wiederspiegelte. "Ich sollte mich zu aller erst vorstellen. Ich bin Nap. Wie ist dein Name?", hakte er nach. Dreistes Lächeln, funkelnde Augen. "Ayla.", erwiderte Riven knapp. "Oh, ein wirklich schöner Name. Also, Ayla, was hast du vor?" Riven zuckte mit den Schultern. "Du weißt es nicht? Das trifft sich sehr gut, Ayla. Du hast die Fragen, ich hab die Antworten. Ich kenn die Stadt, ich weiß alles, was man über sie wissen muss. Wenn du ..." Er wurde von Riven, die sich das Geschwafel nicht mehr anhören konnte, unterbrochen: "Was willst du von mir, Nap? Geld? Ich hab kein Geld. Wenn du willst, dass ich dir noch länger zuhöre, dann sag mir die Wahrheit." Sein Lächeln verschwand augenblicklich.

Abschätzend beäugte er die Frau, die ihm gegenüberstand nochmal. Nur diesmal genauer. Mitte Zwanzig. Ein hübsches Gesicht. Blond-weiße, kurze Haare. Weibliche Formen, aber gut trainiert. Ein ernster, gerader Gesichtsausdruck. Ihr konnte man nichts vormachen. Ein abgebrochenes Schwert. Eine erfahrene Kämpferin. Man legte sich lieber nicht mit ihr an. Doch sie hat eine unsichere Körperhaltung und ein seltsames Glimmen in ihren Augen. Trotz all seiner Menschenkenntnisse konnte er nicht genau sagen, welche Gefühle sie da versteckte.

"Kein Geld, kein Interesse. Tut mir leid, dass ich deine Zeit beansprucht habe." Nap machte eine knappe Verbeugung und verschwand mit dem Geschick eines Straßenjungen in der Menge. Unschlüssig schaute Riven dem Burschen hinterher. Dann fiel ihr Blick auf die Stadttore.

Was konnte sie jetzt tun? Was wollte sie jetzt machen? Diese beiden Fragen schwirrten Riven schon seit dem Abschied von Fenris im Kopf herum und beschäftigten sie Tag ein Tag aus. Eigentlich wusste sie es: Sie wollte Rache an Noxus, ihrer Taten wiedergutmachen und die reine noxische Version bewahren. Egal woher man stammt und wie man aussieht - solange man an sich glaubt und Stärke zeigt, wird einem nichts im Wege stehen.
Doch wie konnte sie es umsetzen? Diese Frage war Riven fast schon leid. Sie hatte wie immer keine Antwort parat.

Vielleicht kann ich den Kommandant der Stadtwache davon überzeugen, dass ich ein wenig helfe und als Gegenleistung Sold bekomme, dachte sich Riven. Ein Versuch war es wert, denn sie musste unbedingt Geld auftreiben, da sie kein eine einzige Münze mehr zur Hand hat. Sie machte sich auf den Weg zu den Stadttoren.

Auf dem Weg zum Stadttor überquerte Riven einen Marktplatz. Doch was sie dort aufschnappte war beunruhigend - sehr beunruhigend. Als sie an einem Brotstand vorbeischlenderte, hörte sie, wie sich eine temperamentvolle Bäckersfrau lautstark mit einem Kunden unterhielt: "Stell dir vor, ich und mein Mann müssen sogar eine zusätzliche Abgabe an diese noxischen Hosenscheißer zahlen. Nennt sich Lebensmitteltaxe. 1 Lire pro verkauftes Brötchen und sogar 4 Lire pro Brot! Was soll ..." Sie wurde von Riven unterbrochen, die dem Gespräch näher getreten war. "Noxische Hosenscheißer? Was soll das heißen?", erkundigte sich Riven interessiert und mit einem bangen Unterton. "Was das heißen soll? Du bist wohl nicht von hier, Fremde. Das soll heißen, dass die oben in der Stadt sich die Wänste mit bestem Essen - unserem Essen! - " Die Bäckersfrau tippte sich an die Brust "vollschlagen, während wir immer ärmer und ärmer werden. Sie richten uns kleine Leute zugrunde. Und es ist ihnen Scheißegal!" Ihr Kopf war hochrot angelaufen.
Auf einmal erinnerte sie sich wieder an ihre Position als Verkäuferin und setzte eine nette Miene auf. "Ein Stück Früchtebrötchen gefällig? Gibt´s heute im Sonderangebot." Riven schüttelte den Kopf. "Na dann, ...", brummte die Bäckerin verdrossen und drehte Riven den Drücken zu, als sie ihr Gespräch fortsetzte.

Noxier? Hier in der Stadt? Das konnte Riven nicht so recht glauben.
Derweilen erreichte sie die Stadtmauer, die schon vom Hafen aus imposant und unüberwindbar auf den Betrachter wirkte. Sie bestand aus hellem, glattem Sandstein, der grell in der Nachtmittagssonne leuchtete. Wie viele Arbeiter wohl nötig waren so einen massiven Wall zu errichten, fragte sich Riven. Das Stadttor war indes sehr klein und schmucklos. Zwei große, runde Durchgänge, die den Verkehr zwischen Stadt und Hafen regeln sollten. Dazwischen tummelten sich die Torwachen, die versuchten den regen Betrieb mit autoritärer Bestimmtheit unter Kontrolle zu halten. Und mit einem großen Schreck erkannte Riven dann auch ihre Abzeichen.

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Ihre Zweifel waren damit beseitigt, demgegenüber wuchs die Zahl der Fragen weiter. Hatte Noxus diese Stadt erobert? Wenn ja, wie hatten sie geschafft die "unüberwindbaren" Mauern zu erstürmen? Ist nicht die Akademie dafür zuständig, dass es keine Kriege mehr gibt? Was zur Hölle war hier vorgefallen?
Auf einmal wurde Riven gewahr, dass sie hier ebenfalls nicht sicher war. Sie musste runter von noxischem Grund und Boden. Gerade als sie sich umdrehen wollte, bemerkte sie eine abscheuliche Szene zwischen einem Noxier und einem Händler.
Der Händler war schmutzig, von ärmlicher Herkunft und schob einen bunten Gemüsewagen vor sich her, als er angehalten wurde. Zuerst gab es eine rege Diskussion, bei der sich herausstellte, dass der Händler keine Genehmigung für den Stadthandel hatte und erst recht kein Geld um sich solch eine zu erkaufen. Dann fiel er bettelnd auf die Knie und bat um eine Ausnahme, wobei er auf seine hungernde Familie verwies. Doch der Soldat zeigte weder Verständnis noch Gnade. Er gab den Befehl die Waren zu beschlagnahmen und den Gemüsewagen zu verbrennen. Als der Händler weinend versuchte die Noxier davon abzuhalten, wurde er mit einem gezielten Schlag in die Magengrube zum Schweigen gebracht.
Riven konnte sich das nicht länger anschauen. Das war also aus Noxus berühmt-berüchtigtem Militär geworden - ein Haufen von undisziplinierten Halbstarken, ohne eine Regung von Gnade oder Mitgefühl und einem Hang zur Brutalität.
Mit bestimmten Schritten trat sie auf den, am Boden liegenden, Händler zu, half ihm auf und schnappte sich ein paar Kohlköpfe und gab sie dem armen Mann. Sein Erstaunen verwandelte sich in Freude und lächelnd enthüllte er eine Reihe von krummen Zähnen.
"Was soll das werden?", fragte der Noxier stirnrunzelnd, aber mit einem Lächeln auf den Lippen. Ihm gefiel dieser putzige Versuch von Solidarität. "Entfernt euch von dieser Eiterbeule oder ihr holt euch noch die Pest." Die anderen Wachen, welche der Szene beigetreten waren, lachten dreckig auf.
Wütend schleuderte Riven ihm die Antwort wie eine Cassiopeia entgegen: "Die einzige Eiterbeule seid ihr! Macht es euch Spaß die Einwohner zu terrorisieren? Ihr widert mich an." Damit hatte sie sich in den Augen der Noxier eindeutig im Ton vergriffen. "Hast du mich gerade Eiterbeule genannt? Ich sage es dir jetzt noch einmal: Lass den Mann liegen und leg das Gemüse zurück, sonst war das heute dein erster und letzter Tag hier in Liras.", drohte er ihr. "Das Gemüse gehört dem Mann, genauso wie sein Recht diese Stadt zu betreten. Und es ist mir egal, was für bescheuerte Regeln, Gesetze, Steuern oder was auch immer aufstellt, ich tu, was ich will. Und ich will diesem armen Mann hier helfen und verhindern, dass er und seine Familie wegen euch verhungert!" Die umstehende Masse von Leuten, die sich während des Gesprächs um Riven gebildet hatte, jubelte auf. Das Gesicht des noxischen Soldaten war sturmbewölkt, wütend. "Das war ein Fehler, Fremde. Noxus ist das Recht hier und wenn du das Recht brichst, dann hab ich leider eine unerfreuliche Nachricht für dich: Verhaftet sie!"
Die Wachen zogen die Schwerter und zückten ihre Lanzen. Die Menge raunte beunruhigt auf, traut aber auseinander um nicht selbst in den Kampf verwickelt zu werden. Riven zog ebenfalls ihr Schwert. Zornig wie sie war, ignorierte sie den Umstand, dass das mal ihre ehemaligen Landsleute waren und den viel wichtigeren Fakt, dass sie sich eigentlich in Sicherheit bringen sollte. Aber jetzt war es zu spät, es gab kein Zurück mehr. Und sie würde sich nicht noch einmal in Gefangenschaft geben. Nicht freiwillig und nicht ohne Gegenwehr. Das Gewicht der Klinge lag in ihrer Hand und ein vertrautes Summen stellte sich in ihrem Kopf ein.

"Leg die Klinge nieder. Sicher, dass du das willst? Zwanzig noxische Stadtwachen gegen eine, dich, eine Frau mit einem zerbrochenem Schwert?", erkundigte sich der Noxier mit gezückter Lanze. Es lag zwar kein Zweifel, kein Zögern in seiner Stimme, aber doch hörte man ein gewisses Erstaunen heraus. "Eine zerbrochene Klinge ist mehr als genug für Schwächlinge wie euch. Angst zu verlieren?", fauchte ihm Riven entgegen. Schulterzuckend nahm der Mann das zur Kenntnis und gab den Befehl zum Angriff.
Was dann geschah, überraschte nicht nur die Soldaten und die umstehenden Schlaulustigen, sondern auch Riven selbst. Impulsiv hob sie ihre Klinge in die Luft. Auf einmal begannen die grünen Schriftzüge und Verzierungen am Knauf zu leuchten. Riven spürte die unbändige Kraft, die ihr das Schwert gab. Für einen Moment blieb die Welt um sie herum stehen. Ihre Wahrnehmung war so geschärft wie noch nie zuvor: Sie spürte ihr Herz wild pochen, spürte die Sonne auf ihrer Haut, spürte den Wind in ihren Haaren. Das Leuchten der Klinge wurde intensiver. So intensiv, dass Riven ihre andere Hand vor die Augen hielt um nicht selbst geblendet zu werden. Dann fing die Welt um sie herum sich wieder zu drehen.
Und plötzlich sah sie es. Ihr Runenschwert war wieder vollständig. Die einzelnen Teile waren so fest miteinander verbunden, als wären sie neu geschmiedet worden. Die Macht der zerbrochenen Klinge. Stolz ergriff sie den Knauf mit ihren zwei Händen. Es fühlte sich an wie früher. Das Verlangen, ihr Breitschwert durch die Reihen der Noxier zu schwingen, überfiel sie augenblicklich. "So viel Tod ...", flüsterte Riven lächelnd und sprintete auf ihre Feinde zu.
Diese, noch immer verblüfft von dem Schauspiel, welches sie beiwohnen durften, fingen sich nacheinander wieder und stürzten sich brüllend auf Riven.
Der erste Speer wich Riven mühelos aus, indem sie behände auswich, sich um ihre eigene Achse drehte und mit einem Schwung gleich zwei Noxier erwischte. Die Klinge durchschnitt mühelos die dünne Rüstung und drang tief ins Fleisch. Dann parierte Riven einen Schwertstoß, hebelte es aus und schlug ihrem Gegenüber den Kopf ab. Fast hätte sie sich kurz darauf einen gut platzierten Lanzenstoß auf ihre Seite eingefangen, aber sie sprang nach vorne und tötete auch diesen Wiedersacher. Es waren noch einige Noxier übrig, die sich nun neu formierten. Riven schloss ihre Augen und atmete kurz einmal tief ein und aus - das Schwert verlor an Kraft. Die leuchtenden Runen auf ihrer Klinge verblassten allmählich. Dann, ohne einen wirklichen Entschluss, stampfte sie fest mit ihren vorderen Fuß auf und schlug einen großen Bogen von unten nach oben. Daraufhin lösten sich die Klingenteile und sausten mit einem pfeifenden Geräusch auf die restlichen Noxier zu. Nacheinander fielen sie scheppernd zu Boden, nachdem jeder tödlich getroffen wurde.


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xKnusp3rx

Senior Member

29-12-2012

Auf einmal erfasste ein heftiges Stechen ihren Bauch, als Riven einem der Soldaten ins Gesicht schaute. Die strahlend blauen Augen starrten ziellos in den blauen Himmel. Weitere Leben wurden Riven ausgelöscht. Zu welchem Zweck? Sie sprang auf und suchte die umstehende Menge nach dem Händler ab. Er war verschwunden. Die Gesichter, die sie anschauten, spiegelten überraschenderweise keine Freude oder Genugtuung wieder. Es war Furcht, erkannte Riven erschrocken. Sie schaute nochmal auf die zwanzig Leichen.
Das war es nicht wert. Sie waren Soldaten Noxus, genauso wie sie eine war. Geblendet von den Kriegsschwüren und falschen Vorbildern, genauso wie sie es war. Doch Riven hatte dem den Rücken gekehrt, hatte die Wahrheit hinter alldem herausgefunden. Hatte die Vergangenheit hinter sich gelassen, zum Ziel, dass die Zukunft besser werde. Und was hatte sie nun getan? Ohne eine Chance auf Bekehrung hatte sie die Noxier niedergeschlachtet.
Urplötzlich drängte sich jemand fluchend durch die Menge und rannte auf Riven zu. Moment mal. Es war der Straßenjunge vom Dock. "Ayla! Komm mit! Du musst von hier verschwinden! Sofort!", rief er aufgeregt. "Nap? Was machst du hier?“, erwiderte Riven überrascht, aber ohne jede Hast. "Keine Zeit für Fragen! Komm jetzt mit, du bist hier nicht sicher. Es werden noch mehr Wachen auftauchen." Seufzend erwiderte Riven: "Das ist mir egal. Schau her, ich hab sie alle getötet. Jeden einzelnen und ..." Sie wurde unterbrochen. "Komm jetzt!" Er nahm ihren Arm und zerrte sie weg. Mit einem letzten traurigen Blick auf die Toten, drehte sie sich um und folgte Nap, ohne wirklich zu wissen, wohin er sie führte. Das war ihr in dem Moment völlig egal.

Nachdem Fenris von Piltover aus zu seiner Heimat gelangen wollte, aber dann kurz vor dem Ziel - das war sein Heimatdorf Vilds - bei einer Gletscherwanderung wortwörtlich den Halt unter seinen Füßen verloren hatte, erwachte er nur kurze Zeit später. Auf dem Boden der Tatsachen angelangt, fand er seine Ausrüstung und auch eine Lichtquelle, die er nun behutsam entzündete. Doch das was da ihn in der Dunkelheit erwartete, bescherte ihm im Schein des Lichtes beim Anblick fast einen Herzinfarkt.

Durch das trübe Laternenlicht hindurch starrten ihn zwei blau-graue Augäpfel an. Eingefallene Augenhöhlen. Die Gesichtshaut spannte sich über die Wangenknochen und hatte eine bedenklich gleiche Färbung wie die Augen. Die Nase, oder zumindest ein Teil der ursprünglichen Nase, war verschwunden. Verwest. Verputzt von der Zeit, die einen Menschenkörper nach und nach aufzehrt bis er irgendwann nicht mehr als ein Häufchen Knochen ist. Der Kiefer des Skeletts war groteskerweise nur noch mit einem Stück Fleisch an den Schädel gebunden. Dadurch wurde eine fast makellose Reihe von Zähnen enthüllt. Schräg grinsend schaute er zu Fenris auf.

Leicht geekelt, aber vor allem sehr entsetzt trat Fenris ein paar Schritte zurück. Dabei fiel der helle Schein auf den restlichen Körper. Eine weitere Welle des Abscheus rollte über ihn herein.
Er wusste sehr wohl, dass Leichen bei diesem eisigen Klima hier oben in Valoran nur sehr langsam verwesten. Zumal dieser knochige Bursche wahrscheinlich noch nicht so lange hier unten herum gammelte.
Aber der Brustkorb und sein Inhalt - zumindest das was von ihm übrig war - war angefressen. Genauso wie die Arme und die Beine. Irgendetwas hatte wohl großen Appetit auf Menschenfleisch, war Fenris erster Gedanke. Er wünschte sich, ihm wäre dieser Satz nie durch den Kopf gegangen, als ihn fast augenblicklich danach Panik ergriff. Bei den Göttern, dieses etwas, das das getan hatte, war wohl immer noch hier drin. Bestimmt hat es nach so langer Zeit ohne Essen, nun mächtigen Kohldampf. "Hör auf an solche Sachen zu denken, Fenris! Du findest bestimmt wieder einen Weg hieraus. Außerdem wärst du sowieso schon lange tot, da dieses etwas den Lärm der eingebrochenen Gletscherhöhle gehört hätte. Und bist du tot? Nein, bist du nicht.", tadelte Fenris sich selbst laut. Es war beruhigend seine eigene Stimme zu hören. Ich wünschte, ich wäre tot. "Reiß dich zusammen!" Nimm jetzt deine Laterne und lass die angeknabberte Leiche, Leiche sein.
Zitternd vor Angst untersuchte er die Höhle und stellte bald fest, dass sie nur sehr klein war. Das Eis schimmerte rötlich im Schein des Lichtes. Nur ein kleiner Weg führte von hier weg - tief in den Gletscher hinein.
"Was willst du jetzt machen?" Ich weiß es nicht. Sieht so aus, als wäre der Weg ins ewige Eis hinein die einzige Möglichkeit. Und bevor du so endest wie der Knabe, wäre es besser, wenn du etwas tust. "Sieht wohl so aus. Außerdem scheint die Stelle an der ich eingebrochen bin, zugeschüttet. Keine Chance den direkten Weg nach oben zu nehmen. Also ... auf geht's."
Vorsichtig zwängte sich Fenris durch den Gang. "Bleib bloß nicht stecken. Und pass auf, wo du hintrittst." Wird gemacht.

Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichte Fenris den Ausgang des Weges. Eine weitere Höhle - nur schien diese um einiges größer zu sein. Der Boden war bedeckt von grobkörnigen Steinen und ein kleines Rinnsal bahnte sich seinen Weg noch tiefer in den Gletscher hinein. Von der Decke hingen menschengroße Eiszapfen. Durch ein metergroßes Loch schlüpften ein paar helle Sonnenstrahlen des heutigen Mittags hindurch und ließ die Eiswände der Gletscherhöhle in einem magischen bläulichen Farbton erglühen. Nur das Atmen von Fenris, das gluckernde Geräusch von Wasser und das ständige Knacksen des Eises war zu vernehmen.
"Hallo?", rief Fenris unsicher. "Hallo, allo, lo, o", schallte es zurück. Alleine. Ist das jetzt gut oder schlecht? "Es ist gut!" Zumindest für den Augenblick.
Als Fenris in der Mitte der Höhle angelangt war, ließ ihn auf einmal etwas innehalten. Da lag ein abgenutztes, altes Buch auf dem Boden. Misstrauisch blickte er sich nochmal um, bevor Fenris es aufhob und die letzte Seite aufschlug. (Beim Durchlesen fiel ihm auf, dass der Autor dieses Buches eine unglaublich schlechte Rechtschreibung hatte.)

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Beim Herumblättern fiel folgendes Stück Papier heraus:

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Mit großen Augen las Fenris die letzten Worte der separaten Notiz und ließ sie dann achtlos auf den Boden fallen. Oh nein, ich werde niemals jemand davon erzählen, schwor er sich. Zwar konnte Fenris sich nicht sicher sein, ob das Gelesene der Wahrheit entsprach, aber er wollte sicherheitshalber das Schicksal nicht herausfordern.
Zudem hatte ihn etwas anderes stutzig gemacht. Als er sich die Beschreibung dieses Kassadins über die Wächter des Portals durchgelesen hatte, kamen ihm instinktiv die sagenhaften Fenriswölfe in den Kopf. Und somit auch die Szene, bei denen diese Wesen in ihr Dorf eingedrungen waren. Er wusste sogar noch, wie er diese kleine Geschichte Riven erzählt hatte. "Eine Aura von Angst und Wahnsinn umgibt sie" - Das stimmte durchaus. In Gegenwart dieser Wölfe verdrängte die Furcht alle anderen Gefühle. Fenris konnte es immer noch nicht glauben, dass die Fenriswölfe, so in der Form wie sie die Sagen erzählten, gar nicht existierten und somit es diese Leerenwesen waren, die damals an seiner Haustür gekratzt hatten.
Er überflog nochmal die Notizen und bemerkte, dass dieses Ereignis Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte her sein musste. Das erklärte auch den Zustand der Leiche, die dann folglich dieser Einheimische Fynn aus Kassadins Logbuch war, in der kleineren Gletscherhöhle davor.
Aber etwas stimmte nicht, denn weder überfielen Fenris Kopfschmerzen noch hatte er bisher so ein Leerenportal gefunden. Renommierte Forscher und Leerenexperten hätten sich darüber jetzt den Kopf zerbrochen, aber Fenris verstand davon nicht viel. Auch lieferten Kassadins Notizen nur vage Hinweise darauf, wie es in Wirklichkeit war.
Nach all diesen Gedankenspielen und Deutungsversuchen ließ Fenris auch das Buch fallen und inspizierte auch die letzten Winkel dieser "Leerenhöhle". Doch weder weitere Gänge oder Wege in die Freiheit noch Portale oder irgendwelche anderen Überraschungen. Nur das magisch blau-glänzende Eis, das vor sich hin glimmerte als gäbe es kein Morgen.

Plötzlich ließ ein Geräusch Fenris zusammenfahren. Knirschendes Eis. Eine Stimme. Herunterfallende Brocken. Jemand oder etwas versuchte sich gewaltsam durchs Eis zu kämpfen. Dann machte Fenris die Quelle des Lärms aus - was auch gleichzeitig die Quelle des Tageslichts war. In der Mitte der Höhle am höchsten Punkt machten sich ein Paar Hände an der Öffnung zu schaffen. Dann erschallte eine kräftige Frauenstimme: "Hallo?" Fenris rannte was das Zeug hielt zur Mitte der Höhle und antwortete mit kreischender Stimme und wedelnden Armen: "Ja hier, hier! Ich bin hier! Bitte hilf mir! Rette mich!"
"Halte durch. Einen Moment!" "Nicht weggehen!" Zur Antwort bekam Fenris nur ein inbrünstiger Vogelschrei.

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Es empfiehlt sich den Forum Teaser von Quinn, welcher beim Release von Quinn & Valor erschien, kurz durchzulesen oder zu überfliegen um etwaige, offensichtliche Fragen aus dem Weg zu räumen:

Quinn's Reise nach Freljord 1
Quinn's Reise nach Freljord 2
Quinn's Reise nach Freljord 3
Quinn's Reise nach Freljord 4

Nachdem die Retterin Fenris ein Seil hinuntergelassen hatte und dieser daran mühsam hochgeklettert war, während er auch seine Ausrüstung in irgendeiner Weise halten musste, blieb er zuerst keuchend und ganz aus der Puste an der Oberfläche liegen. "Alles klar bei dir? Hast du dich verletzt?", fragte die Frau vorsichtig. "Ja ... und nein. Ich brauch nur einen Moment. Wie bei den Göttern hast du mich gefunden?" Sie lächelte stolz und streichelte dem Vogel über den Rumpf. "Nicht ich, sondern Valor hat dich gefunden." Das Tier krächzte auf, als wolle es damit sagen, dass das ein Kinderspiel war.
Interessiert schaute sich Fenris Valor näher an. Ein majestätischer Adler mit riesigen Schwingen und einem aufgewecktem Blick. Die Krallen bohrten sich in den Schnee und die Federn waren bläulich gefärbt. Die Frau trug eine leichte Rüstung mit dunkler Legierung. Ihre Waffe, eine Armbrust, trug sie auf dem Rücken. "Oh, ich sollte mich vorstellen. Ich bin Quinn und das ist, wie schon erwähnt, mein treuer Freund Valor.", eröffnete sie Fenris, als dieser keine Worte zu finden schien und nahm ihren goldenen Helm ab. Ihre braunen Haare quollen hervor und ergossen sich auf ihre Schultern. Sie war hübsch. "Äh ... entschuldige. Mir hat es wohl die Sprache verschlagen. Ich bin Fenris und es freut mich euch kennenzulernen. Und natürlich bedanke ich mich auch für eure Rettung. Ich wüsste nicht wie ich das wiedergut machen könnte.", sprudelte es aus Fenris hervor. Großspurig winkte Quinn ab. Frohen Mutes atmete Fenris aus und legte sich auf den Rücken. "Ich hätte nicht gedacht, dass ich da überhaupt nochmal rauskomme. Wie hat es euch hierher verschlagen?" "Ich ... betreibe Nachforschungen." Sie schien ihre Worte genauestens abzuwägen. "Es gibt Gerüchte über einen Krieg hier im hohen Norden." Verblüfft entgegnete Fenris: "Krieg? Nein, das glaube ich kaum. Das kann nicht sein. Davon hätte ich doch gehört ..." "Was macht dich da so sicher? Wir sind wohl kaum nach Freljord entsendet worden nur um Geistern hinterherzujagen. Oder um Poros zu fangen." "Das ist meine Heimat ... " Als schien das alle Fragen zu beantworten. "Von wem seid ihr denn entsendet worden?" "Das geht dich nichts an.", erwiderte Quinn entschieden. Ein bisschen beleidigt nahm Fenris diese Antwort hin. "Wir sind aus Demacia, so viel sollte gesagt sein.", erklärte Quinn. Fenris sprang impulsiv auf. Valor krächzte laut auf und schwang die Flügel. "Demacier!", rief er ungläubig aus. Ein unüberhörbarer Hass lag in seiner Stimme. Im nächsten Moment bereute er ein wenig seine Reaktion. Seine Wut auf Demacier war kindisch, aber kaum aus den grundlegendsten Überzeugungen der noxischen Ausbildung als Soldat. Er konnte einfach nicht anders. "Ja Demacier! Hast du ein Problem damit?", fragte Quinn gereizt. In diesem Moment realisierte Fenris, dass er chancenlos war, falls Quinn gar ihr Federvieh auf ihn hetzte. Die Situation sollte nicht eskalieren. "Ich ... nein. Natürlich nicht. Ich muss mich aber gleich wieder verabschieden. Bin auf dem Weg zu meinem Heimatdorf.", äußerte sich Fenris und zeigte mit Zeigefinger Richtung Vilds. "Oh.", entfuhr es Quinn. Daraufhin schüttelte sie den Kopf, als wolle sie einen Gedanken verscheuchen und entließ auch Fenris mit ein paar freundlichen, bedeutungslosen Worten bevor sie ihm den Rücken kehrte um ihr Ziel, die Stadt Frostwacht, noch vor dem Ende dieser Woche zu erreichen.
Fenris rief ihr noch ein paar Dankeswünsche hinterher, aber sie schien das nicht mehr zu registrieren.

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Sodann machte sich Fenris auf den Weg nach Vilds. Diesmal gab es keine weiteren Zwischenfälle und er fand einen Weg vom Gletscher ins Tal hinunter. Das Dorf lag weiter südlich, deswegen musste man zuerst eine steile Felsformation in südlicher Richtung passieren bevor man durch einen lichten Fichtenwald - ein paar Bäume - die ersten Wirtschaftshäuser des Ortes erreichte.
Doch schon von weitem sah Fenris dicke schwarze Rauchschwaden zum Himmel aufsteigen. Zuerst hatte er angenommen, dass das die Kamine waren, aber desto näher er kam desto unwahrscheinlicher war dieser Gedanke. Sein Schritt beschleunigte sich genauso wie sein Herz. Während es vor lauter Aufregung über die Heimkehr zuvor beinah raste, so schlug es jetzt wegen einer bösen Vorahnung schneller als je zuvor. Was war nur geschehen? Er ging vom schlimmsten aus. Auf die letzten Meter rannte er und ließ sein Gepäck achtlos in den Schnee fallen. Dann ragte vor ihm das erste Holzhaus von Vilds auf. Das war einmal das stattlichste Haus des ganzen Dorfs gewesen. Nun war es nur noch Schutt und Asche. Der steinerne Kamin ragte wie ein Mahnmal aus den rötlich-glühenden Trümmerteilen auf, denn nur er hatte das einst tosende Feuer überstanden.
Fenris Kehle wurde augenblicklich trocken. Seine Augen feucht. Er wollte schreien, aber es kam ihm kein Ton über die Lippen. Mit schwankendem Schritt durchquerte er das niedergebrannte Dorf. Vor seinen Augen zuckten längst vergangene Bilder vorbei. In diesem Haus hatte mal seine alte Jugendliebe gewohnt. In dieser Scheune hatten er und seine Freunde immer Heuhaufenspringen gespielt. Dort hatte sein Onkel gelebt. Als er den Dorfbrunnen passierte, kam ihm die Geschichte des ertrunkenen Kinds in den Sinn, welche ihm immer seine Großmutter in der Dunkelnacht erzählt hatte.
All das hier sollte nun nur noch in Fenris Erinnerung bestehen. Alles war zerstört.
Dann erreichte er die große Dorfscheune. Bei ihrem Anblick gaben Fenris Knie endgültig nach und schluchzend überstreifte sein tränenverhangener Blick die zahllosen verkohlten Leichen seiner Freunde, Verwandte und Bekannte. Wahrscheinlich hatten die Angreifer die Bewohner hier rein getrieben, das Tor verriegelt und den Speicher in Brand gesteckt. Alle waren tot. Nicht mehr als zur Unkenntlichkeit zerschmolzene Menschenkörper.
Er war nicht da um das zu verhindern. Verzweifelt schlug er mit der Faust auf den Boden. Er war schuld daran. Wegen seiner bescheuerten Idee zum Militär zu gehen konnte er seine Mutter, seinen Vater, seinen Bruder nicht mehr sehen. Oh, sein kleiner Bruder. Er war noch so jung. Er hatte es nicht verdient zu sterben. Sie hatten es nicht verdient.
Herzzerreißende Jammern und wütendes Geschrei erscholl über das Land. Doch keiner hörte ihn.


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xKnusp3rx

Senior Member

29-12-2012

Platzhalter 4


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Paitchang

Member

27-02-2013

schreibst du die geschichte weiter? Würde mich freuen...
Liest sich sehr angenehm ;D
Edit: Sry link am anfang nicht gesehen


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xKnusp3rx

Senior Member

07-06-2013

Ich fürchte, dass ich zu wenig Platzhalter gesetzt hab. o_o
Kapitel 2 hab ich mal oben ergänzt.

Platzhalter 5


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xKnusp3rx

Senior Member

07-06-2013

Platzhalter 6


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